Bielefeld, Düsseldorf, Duisburg, Herford

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Interview des vm2000.net mit Jörg Boström

Du warst ja über 25 Jahre am Fachbereich Gestaltung in Bielefeld tätig, daher kennst Du die Stadt Bielefeld ganz gut?

Im Grunde kannte ich sie garnicht, als ich dahin kam, aber durch die 25 Jahre Arbeit dort habe ich natürlich so Einiges in Bielefeld kennengelernt, aber jetzt auch schon wieder vergessen, weil ich lange nicht mehr da war. Aber ich kenne sie soweit ganz gut, ja.

Als Du von Düsseldorf bzw. Duisburg nach Bielefeld gekommen bist, war das wahrscheinlich eine größere Veränderung in Deinem Leben?

Im Grunde bin ich ja sehr gerne in Düsseldorf gewesen, und Düsseldorf war ja auch die Stadt, wo ich studiert habe an der Kunstakademie, wo ich auch später einige Arbeit hatte. Aber dann bin ich nach Bielefeld zur Besichtigung mal gegangen, und es war hauptsächlich die Sparrenburg, die mich interessiert hat, damals war nämlich der Fachbereich direkt oben auf dem Berg neben der Sparrenburg.

Man fühlte sich dort ein bisschen wie ein Burgherr?

Ja, so ein bisschen. Das gefiel mir ganz gut, als ich von Düsseldorf nach Bielefeld kam, fand ich das schon eine romantische Position, neben der Sparrenburg.
 

Der Fachbereich Design neben der Sparrenburg

Wobei die Kunstakademie Düsseldorf wahrscheinlich schon ein Ort ist, der auch sehr interessant ist.

Ja, absolut, das kann man mit der Sparrenburg nicht vergleichen, die lag ja dicht am Rhein. War schon sehr schön in der Altstadt in Düsseldorf zu studieren.

Hast Du die Stadt Düsseldorf gut kennengelernt, als Du noch in Düsseldorf warst?

Ja, sicherlich, ich hab da ja sehr lange gewohnt, in der Citadellstr.9, dicht am Rhein. Düsseldorf war meine Studienstadt, und auch lange Zeit meine Arbeitsstadt.
 

Obdachlosenquartier Tichauer Weg, Düsseldorf

 

Du hast dann in Duisburg gearbeitet, aber auch in Düsseldorf in Deinem Atelier?

Ja, ich bin dann zwischen Duisburg und Düsseldorf per Zug gependelt.

Und dann kamst Du nach Bielefeld, und bist dann von Herford nach Bielefeld gependelt?

Ja, das musste wohl sein. Eine zeitlang habe ich dann lieber in Herford gewohnt. Wir hatten in Herford eine sehr schöne Wohnung.

Und insofern hast Du Bielefeld dann auch garnicht so gut kennengelernt?

Das stimmt, ich kannte Herford besser.
 

Gibt es für Dich wichtige Orte in Bielefeld?

Hm, weiss ich nicht mehr. Die Kunsthalle natürlich.

Ah, ja. Und der Fachbereich natürlich?

Und der Fachbereich, ja. Und in der Kunsthalle hatte ich ja auch eine Ausstellung.
Ich hatte auch Kontakt mit anderen Menschen, so dass ich da in Bielefeld nicht sehr einsam war. Der Umzug von der Sparrenburg in die Lampingstraße hat mir dann nicht so gut gefallen, aber da habe ich mich dann auch dran gewöhnt.

Der frühere Standort des Fachbereichs gefiel Dir besser, sowohl von der Lage her, als auch vom Gebäude her?

Ja, absolut, ja.

Du hast ja die Entstehung des FB Design in Bielefeld miterlebt.
Dabei hattest Du vermutlich hauptsächlich mit dem Fotobereich zu tun, oder hattest Du auch Einblick in die anderen Studienbereiche?

Ja, das hatte mich natürlich interessiert, und ich konnte auch an der Gestaltung der Lehrtätigkeit mitarbeiten.

Dein Fach wurde dann also quasi von Dir selbst mitgeschaffen. als der Fachbereich Design entstand?

Ja, ich habe immer versucht, die Fotografie auch in Verbindung mit Grafik und Malerei zu bringen. Das war für meine persönliche Arbeit ja auch üblich, dass ich malte und fotografierte, und beides im Dialog.

D.h. bei Dir konnten zur Fotografie auch Film, Plakatgestaltung und Installationen hinzukommen?

Na ja, bei mir war das weniger Plakatgestaltung, als eben Fotografie, und danach Malerei. Die Fotografie als Skizzenbuch für die Malerei. Für realistische Malerei.

Deine Studenten haben wahrscheinlich teilweise auch Film, Plakatgestaltung und Ähnliches gemacht?

Selbstverständlich, aber das haben sie nicht bei mir gemacht, das haben sie bei meinen Kollegen gemacht. Ich hatte eben Fotografie und Malerei im Dialog. Bis heute mache ich das ja so, mit meiner Arbeit. Den Studenten habe ich so etwas Ähnliches auch nahegebracht.

Ich glaube, mich zu erinnern, dass auch mal ein Filmstudent bei Dir eine Prüfung gemacht hat.

Stimmt, jaja. Der Film war ja bei mir auch wichtig weil ich selbst auch einige Filme schon vorher gemacht hatte, in Düsseldorf zum Beispiel, und in Duisburg. Duisburg Bruckhausen war einer meiner Filme.

Stimmt, ich erinnere mich zwar nicht, den Film gesehen zu haben, aber wir hatten schonmal darüber gesprochen.

Ich glaube, Du kannst ihn im Internet finden.

Ich werde versuchen, den Film im Internet zu finden. Vor nicht allzu langer Zeit, 2017, war ja eine Veranstaltung zu Bruckhausen.

http://www.vm2000.net/6289/
 

Der Film wurde bei der Ausstellung auch gezeigt. Du findest ja auch eine Serie von Fotografien aus Bruckhausen von mir.

Die waren 2017 ausgestellt, in Duisburg, im Rahmen der Akzente 2017.
Aber wir waren ja eigentlich beim Thema Bielefeld, da müssten wir jetzt glaube ich auch wieder hin zurückkommen.
Du musstest, wenn ich mich recht erinnere, als Dekan den Umzug in die Lampingstraße mitorganisieren, obwohl Du lieber am früheren Standort geblieben wärest, war das so? Du warst an dem Umzug jedenfalls beteiligt?

Ja, natürlich. Ich war zwar nicht begeistert von dem Umzug, ich wollte lieber auf dem Sparrenberg bleiben, neben der Sparrenburg, aber der Umzug, der war eben schon von der Verwaltung organsisiert, den konnte ich nicht verhindern.

Hmhm. D.h. Du hattest mit dem Umzug eigentlich nicht so sehr viel zu tun?

Ich war damals Dekan, also musste ich schon Einiges dabei organisieren.

War das eine interessante Zeit?

Ja, auf jeden Fall.

Hatte der spätere Lampingstraßen Standort auch Vorteile, z.B. die größere Nähe zur Uni Bielefeld?

Ja, genau. Und man kriegte auch mehr Publikum, die brauchten nicht den Sparrenberg hochzuklettern, um uns zu besichtigen.
 


 
Ah ja. D.h. zum Beispiel bei der Werkschau, der damaligen Diplomausstellung, war da mehr Publikum?

Unbedingt, jaja.
Es war schon so, dass ich die Fotografie auch nicht nur für Werbezwecke verwendete, wie es ursprünglich gedacht war, sondern eben als realistische Darstellung der Welt, der Wirklichkeit. Ich habe also nicht Fotodesign gemacht, in dem Sinne, sondern Fotografie.

Bei Beginn Deiner Lehrtätigkeit war es ursprünglich so gedacht, dass hauptsächlich Werbefotografie unterrichtet werden sollte?

Genau. Und das war nicht mein Ding, mein Ding war eben realistische Fotografie, als Spiegelbild der Wirklichkeit.

Das könnte man ja auch als einen der Schwerpunkte des Fotobereichs bezeichnen, Jürgen Heinemann unterrichtete ja auch in der Richtung.

Jaja, genau, wir waren ja gute Kollegen.

Und der andere Schwerpunkt, den Du ja auch schonmal erwähnt hattest, war die generative Fotografie.

Die war ja nicht von mir, die war von Gottfried Jäger und Kalle Holzhäuser.

Aber die ist auch keine Werbefotografie.

Nein, Werbefotografie im engeren Sinne hatten wir nicht, in Bielefeld.

Hmhm. Hatte die nähere Umgebung der Lampingstraße, wie der Oetkerpark oder der Siegfriedplatz, auch Auswirkungen auf das Geschehen am Fachbereich?

Nein, nicht unbedingt, aber wir waren natürlich auch da, und die Studenten haben selbstverständlich auch in Bielefeld viele Fotografie Serien gemacht. Wir haben ja auch dann ein Buch über Bielefeld gemacht.

Stimmt, ich erinnere mich, das mal gesehen zu haben. (Stadtbild Bielefeld. Fotografiert von Jörg Boström, Jürgen Heinemann, Dieter Holland, Karl Martin Holzhäuser, Gottfried Jäger. Berlin 1983)
D.h. Du hast in Form von Fotografien teilweise mehr von Bielefeld gesehen, als durch das Begehen der Stadt, könnte man sagen?

Ha ha ha. Aber man muss schon gehen, durch die Stadt, wenn man die Stadt fotografieren will.

Hmhm, das stimmt natürlich. Wobei Du ja Teile von Bielefeld dann quasi durch die Fotografien Deiner Studenten kennengelernt hast.

Ja, genau. Hmhm.

Das ist auch irgendwie eine interessante Art, die Stadt kennenzulernen.

Ja, sicherlich. Sehr viel vielseitiger, als wenn man nur in irgendeinem Café sitzt, und Kaffee trinkt.

Das könnte man sagen. Denn Du hast ja dadurch die Sichtweise ganz unterschiedlicher Leute gesehen, deren fotografische Sichtweisen.
Das erste Bielefelder Fotosymposium fand 1979 statt, es müsste demnach schon nach dem Umzug des Fachbereichs, in der Lampingstr. stattgefunden haben?

Ja ja.

Könnte man sagen, dass dieses Symposium in einem Zusammenhang mit der Stadt Bielefeld steht, oder hätte das überall so stattfinden können?

Das hätte überall stattfinden können, wenn wir da wären. Das Symposium hing ja von meinem Fachbereich ab, und von meinen Kollegen.

D.h. das Symposium hatte mit der Stadt Bielefeld eigentlich wenig zu tun, aber es hatte viel zu tun mit dem Fachbereich und den Veranstaltern.

Ja, genau.

Zur Geschichte der Bielefelder Symposien werde ich nochmal etwas nachlesen.

Jörg Boström und Gottfried Jäger (Hg.):
Kann Fotografie unsere Zeit in Bilder fassen?
Eine zeitkritische Bilanz. 25 Jahre Bielefelder Symposien über Fotografie und Medien 1979-2004. Mit 50 Originalbeiträgen und Bildern ehemaliger Referentinnen und Referenten der Symposien; Geschichte und Dokumentation.
Zweisprachig deutsch/englisch. 224 S.
Bielefeld: Kerber-Verlag, 2004.

Deppner, Martin Roman, Jäger, Gottfried (Hg.):
Denkprozesse der Fotografie. Beiträge zur Bildtheorie. Die Bielefelder Fotosymposien 1979-2009.
470 Seiten, Illustrationen, Diagramme.
Bielefeld : Kerber-Verlag, 2010.

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