Bilder und Erinnerungen

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Interview des vm2000.net mit Jörg Boström
Bilder sind für Dich wichtig, auch zur Erinnerung?

Ja, denn ich sammle meine eigenen Bilder selbstverständlich auch, und sehe sie mir manchmal auch immer wieder an, gleichzeitig sind meine Fotografien oft in Katalogen untergebracht, wo ich ab und zu auch mal reinschaue. Dazu kommt, dass meine Familie in vielen Bildern abgebildet ist, dass ich daraus Familienalben basteln kann, wie man sie früher immer gemacht hat, aber diesmal mache ich das mit dem Computer. Familienbilder also auch in Familienbüchern zusammengestellt, als Erinnerung.
Ich fotografiere ja auch mit dem iPad, und auch die stelle ich irgendwann zu Gruppen zusammen. Ohne diese Fotografie gäbe es für mich kaum Vergangenheit. Die spielt für mich als Erinnerung eine ganz wichtige Rolle, die Fotografie. Aber auch, zu meinem eigenen Leben natürlich, meine Malerei.

 

D.h Du erinnerst Dich großenteils dann an Ereignisse, wenn Du Fotos wiedersiehst.

Ja ja, natürlich. Und das Gedächtnis neigt ja auch dazu, zu löschen. Sonst platzt ja der Kopf vor lauter Erinnerungen.

Das habe ich mich auch schon gefragt, ob, je mehr man da speichern lässt im Gehirn, desto mehr anderes dann gelöscht werden muss.

Ja. Der Kopf darf nicht zuviel speichern, sonst kann man sich garnicht mehr in der Gegenwart bewegen, wenn man nur noch Erinnerungen im Kopf hat.

Bei den Fotos mit dem iPad geht es um Fotos von Ausstellungen oder Veranstaltungen, die ansonsten schnell wieder in Vergessenheit geraten?

Ja, und auch Besuch, ne. Das iPad verwende ich auch, wenn Besuch kommt, das ist ja so ein ständig präsentes Gerät. Und die Bilder aus dem iPad kann man dann im Rechner auch speichern.

Da geht es dann auch um Familiengeschichte, z.B. bei Familienfeiern?

Ja, selbstverständlich. Manchmal auch mein eigenes Geburtstagsfest, wird ja dann auch mit der Familie gefeiert, oft jedenfalls, und da mache ich Fotografien um mich überhaupt an meine Familie auch und die einzelnen Mitglieder die Jahre über zu erinnern.

 

Und in Sachen Ahnenforschung hast Du ja Bilder, die weit zurück reichen.

Ja, wenn die früher nicht fotografiert hätten, könnte ich ja garkeine Ahnen mehr betrachten. Und ich hätte höchstens in alten Listen die Namen und die Daten, aber nicht die Personen, die Gesichter und die Gestalten. Deshalb sind mir auch historische Fotos aus meiner Familiengeschichte wichtig. Nicht unbedingt von anderen, aber manchmal auch von anderen Künstlern, die mich interessieren. Also z.B. von Picasso als Kind und Jugendlicher.

Das ist auf jeden Fall auch interessant, historische Künstlerportraits zu sehen.

Und von Ausstellungen nehme ich eigentlich immer wenn ich kann, wenn es einen gibt, den Katalog mit. Eben zur Erinnerung, damit ich zuhause auch Wochen später darin blättern kann, und dann fallen mir die Bilder wieder ein.

Dadurch müsstest Du inzwischen auch ein ziemliches Archiv an Katalogen haben.

Ja, das habe ich auch, ich habe ziemlich viele Kataloge und Bücher, von Kunst eben. Und ich mache ja selber viele Bücher, die hier im Regal stehen, ungefähr einen Meter lang schon.

Alles die Blurb Bücher, Books on Demand?

Genau. Das ist für mich auch das, was früher Fotoalben waren. Das sind für mich heute die Blurb Bücher, die ich dann ausdrucken lassen kann.

Irgendwie sind sie anders als frühere Fotoalben. Sie haben aber auf jeden Fall mit Erinnerung zu tun, das würde ich auch so sehen.

Ja. Manchmal reicht es, dass man die Bücher sieht, um sich zu erinnern, man muss nicht alle durchblättern, jedesmal.

Meinst Du, das es so etwas gibt wie ein kollektives Gedächtnis, das zu bestimmten Zeiten besonders aktiv ist, und dann an bestimmten Stellen jeweils ähnliche Bilder hervorbringt?

Ich weiß nicht, was die anderen im Gedächtnis haben, das kann ich nicht beurteilen. Aber natürlich gibt es sowas wie ein kollektives Gedächtnis, an gemeinsame erlebte Ereignisse.

Meinst Du, dass sich mit zunehmendem Alter das Vergessen und Erinnern verändert? Werden dadurch Bilder zur Erinnerung mit zunehmendem Alter wichtiger?

Ja, ich glaube dass mit zunehmendem Alter Erinnerungsbilder wichtiger werden. Weil die Gegenwart nicht mehr soviel bringt, und die Zukunft kaum noch da ist, ist die Vergangenheit für alternde Menschen von Bedeutung.

Das klingt ein bisschen pessimistisch. Du betonst ja sonst eher, dass die Gegenwart wichtig ist.

Ja, aber ich bin nicht mehr so viel unterwegs wie früher. Ich kann ja kaum noch laufen. Und auch nicht mehr Auto fahren. Man ist im Alter nicht mehr so reaktionsschnell wie als junger Mann.

Museen sind großenteils Erinnerungsräume, könnte man behaupten. Kunstwerke gehören zum kollektiven Gedächtnis, das da bewahrt wird. Weiß man diese Funktion der Museen mit zunehmendem Alter mehr zu schätzen?

Ich glaube ja. Wenn ich die Besucher im Museum betrachte, sehe ich eigentlich nur graue Köpfe.

Interessiert Dich die Methode der künstlerischen Spurensicherung und Feldforschung? Die hat ja auch mit Erinnerungn zu tun. Du selbst hast auch schon Spurensicherung betrieben, an der Weserwerft, Du hast da Fundstücke und Fotografien ausgestellt, Spuren von dem vergessenen Gelände.

Ja, das kann wohl sein, aber da kann ich mich jetzt nicht mehr dran erinnern. Was war das, was habe ich da ausgestellt?

Gegenstände, die da auf der Werft zu finden waren.

Ach so, ja richtig, jetzt fällt es mir wieder ein, Schuhe usw. Das sollte auch ein Stück Erinnerung an die Werft sein, an die Menschen die vorher auf der Werft gearbeitet haben. Das war der Sinn dieser Ausstellung.

 

 

 

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