Bilder aus dem All

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Copyright ESA, CC BY-SA 3.0 IGO

 

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Text: Annette Bültmann

Die Erde von oben, ein spektakulärer Anblick. Den meisten allerdings nur von Fotos bekannt, die seit Beginn der Raumfahrt und der Satellitentechnik zunächst über Zeitungen und Fernsehen, inzwischen in großer Zahl über das Internet verbreitet werden.

Einige Astronauten können den Planeten selbst aus dieser Perspektive sehen und fotografieren. Die Internationale Raumstation ISS umkreist die Erde in einer Höhe von ca. 400 km. Der Astronaut und Geophysiker Alexander Gerst, im Jahr 2014 bereits einmal Bewohner der Internationalen Raumstation, flog am 06.06.2018 erneut von Baikonur zur ISS, sein Aufenthalt dort steht unter dem Motto ISS Horizons, bzw. Expedition 56. Es handelt sich um die 56. Langzeitbesatzung der Raumstation. Ab dem 04.10.2018 beginnt die ISS Expedition 57, deren Kommandant Alexander Gerst ist. Er postet auf Facebook Meldungen und Fotos, so kann die Weltöffentlichkeit teilnehmen am Geschehen auf der ISS, und an den Beobachtungen der Astronauten.

Zunächst hat eine solche Mission auch routinemäßige Herausforderungen zu erfüllen, ersichtlich auch an dem Facebook Posting vor dem Start “L-4 Stunden. Ziehen unsere Raumanzüge an und testen sie auf Lecks. Zum letzten Mal Schuhe tragen für 6 Monate… ;)”
Eine ungewohnte Situation, mehrere Monate ohne Schuhe zu verbringen, bzw. überhaupt ohne den gewohnten Bodenkontakt der Fußsohlen, für normale Erdenbewohner nur schwer vorstellbar, für Kosmonauten aber nach einiger Zeit vermutlich mehr oder weniger alltäglich. Gegenstände schweben im Raum, und 16mal am Tag geht die Sonne auf und unter.

In Gedanken sind die Astronauten wohl oft auch bei den Menschen auf der Erde, so schrieb Alexander Gerst am 25.09.2018 mit Blick auf das Auge des Taifuns Trami: “Als ob jemand einen gigantischen Stöpsel aus der Erde gezogen hätte. Blick ins Auge eines weiteren wütenden Sturms. Kategorie 5 Supertaifun Trami ist unhaltbar auf dem Weg nach Japan und Taiwan. Passt auf euch auf da unten!”

Einen Tag zuvor, am 24.09.2018, beobachtete er vom Weltraum aus den wieder aktiven Vulkan Krakatau. Berüchtigt ist dieser Vulkan deswegen, weil sein Ausbruch am 27.08.1883 der zweitgrößte Vulkanausbruch der Neuzeit war.
Auch damals konnten Meldungen vom Ausbruch schon weltweit verbreitet werden, per Telegrafie, weil einige Jahre zuvor erfolgreich Unterseekabel verlegt worden waren. Die Explosion des Krakatau wurde auch als Urknall der globalisierten Gesellschaft bezeichnet, in dem Beitrag von Wieland Freund “Alle mal herhören: Alles kaputt” vom 23.08.2003, der Rezension eines Buches zum selben Thema von Simon Winchester.

Erste Versuche zur Verlegung von Seekabeln für die Telegrafie gab es bereits seit 1850, zunächst zwischen Großbritannien und Frankreich, dann im Mittelmeer. Das erste funktionstüchtige Transatlantik-Unterseekabel wurde 1858 zwischen Irland und Neufundland in Betrieb genommen, versagte aber wenige Wochen später vermutlich wegen Beschädigungen der Ummantelung. Erst 1866 konnte mit verbesserter Schutzummantelung eine längerfristige Kabelverbindung zwischen Europa und Amerika hergestellt werden. Einige Jahre später wurde auch eine Kabelverbindung zum afrikanischen Kontinent hergestellt. 1884 wurde der Internationale Vertrag zum Schutze der unterseeischen Telegraphenkabel abgeschlossen. Versandt wurden über die Kabel damals Telegramme. Zunächst wurden Morsezeichen telegrafiert, mit dem 1837 erfundenen Schreibtelegrafen oder auch Morseapparat. Einige Jahrzehnte später liefen über die Postämter wöchentlich Hunderttausende von Telegrafenmeldungen.
1870 wurde Batavia, das heutige Jakarta, telegrafisch mit London verbunden. Jakarta liegt auf der indonesischen Insel Java, unweit der Sundastraße, einer Meerenge mit Vulkaninseln, zu denen auch Krakatoa gehört. Wegen des enomen Lärms und der Druckwelle bei der Explosion der Krakatoa Insel wurden jedoch Meldungen nicht nur aus Batavia (Detonationsgeräusche, Ascheregen, Dunkelheit, Überflutung), sondern aus vielen bis zu mehrere Tausend Kilometer entfernten Orten telegrafiert.

Dieter Daniels betrachtet in dem Buch “Kunst als Sendung” die Parallelentwicklung von Fotografie und Telegrafie, und meint, dass beide Medien “auf unterschiedliche Art zu einer “Schrumpfung der Welt” in der medialen Wahrnehmung” führten. Als zeitlichen Ankerpunkt nennt er das Jahr 1896, in dem ein Telegramm rund um den Erdball geschickt wurde. „Auf der Elektrischen Ausstellung in New York wurde ein Telegramm rund um die Erde geschickt. Das Telegramm mit dem Text „GOTT ERSCHUF DIE SCHAETZE DER NATUR UND DIE WISSENSCHAFT BENUTZT DIE ELEKTRISCHE KRAFT ZUM RUHME DER NATIONEN UND ZUM FRIEDEN DER WELT“ wurde vom Präsidenten der telegraphischen Abteilung, Gandler, der auf der einen Seite des Tisches in der Ausstellung saß, abgesandt; auf der anderen Seite des Tisches saß Edison, um dasselbe nach der Weltreise in Empfang zu nehmen. Um 8 Uhr 34 Minuten ging die Meldung über Chicago, Los Angeles, San Francisco,, von dort nach Vancouver, Winnipeg, Montreal, Canso, London, wo es nach 4 Minuten eintraf. Von dort ging es weiter über Lissabon, Gibraltar, Malta, Alexandria, Suez, Bombay, Madras, Singapore, Shanghai, Nagasaki und Tokio, um endlich 50 Minuten nach der Absendung von Edison am Ausstellungstische wieder in Empfang genommen zu werden. Dies ist die schnellste Beförderung, die jemals mittels des internationalen Telegraphen vor sich gegangen ist. Die Kosten des Telegrammes betrugen 152 Dollar“ („Zeitschrift für Elektrotechnik“ vom 15. Juni 1896). Haben die Menschen damals schon geahnt, dass durch die Raumfahrt die Welt zu einer aus der Entfernung beobachteten schwebenden Kugel schrumpfen würde?

Nun werden Bilder nicht nur über Seekabel, sondern auch über Satelliten übertragen. Mehrere Hundert Satelliten umkreisen heute ständig die Erde, so dass es mit der Einsamkeit im Weltraum längst vorbei ist.

Typhoon Trami, Sept. 28, 2018 Credit: NASA/NRL
Die Satelliten Terra und Aqua wurden von der NASA 1999 bzw. 2002 ins All geschossen, um Ökosysteme und Wetter zu erforschen, z.B. Wassertemperaturen und Eis, Wolken und Niederschläge, Meeresströmungen und auch Wirbelstürme. Sie haben verschiedene Messinstrumente an Bord, eins von ihnen ist MODIS (Moderate-Resolution Imaging Spectroradiometer) mit dem dieses Bild erzeugt wurde. Die sechs Erdbeobachtungssatelliten des “A-Train”, zu denen Terra und Aqua gehören, umkreisen die Erde in einer Höhe von 705 km. Über ihnen kreist der Weltraumschrott in einer Höhe von 900 – 1000 km.

 

Kipling, Rudyard

The Deep-Sea Cables

The wrecks dissolve above us; their dust drops down from afar –

Down to the dark, to the utter dark, where the blind white sea-snakes are.

There is no sound, no echo of sound, in the deserts of the deep,

Or the great grey level plains of ooze where the shell-burred cables creep.

 

Here in the womb of the world – here on the tie-ribs of earth

Words, and the words of men, flicker and flutter and beat —

Warning, sorrow and gain, salutation and mirth –

For a Power troubles the Still that has neither voice nor feet.

 

They have wakened the timeless Things; they have killed their father Time;

Joining hands in the gloom, a league from the last of the sun.

Hush!  Men talk to-day o’er the waste of the ultimate slime,

And a new Word runs between:  whispering, “Let us be one!”

 

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