Hasickels Seinsuchsinn

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Aus seinen künstlerischen Arbeiten der letzten Jahre entsteht 2018 das „Hasickel“ und erhält von Andreas Jackstien das Privileg einer eigenen Serie. Erwachsen durch die zuvor malerischen/zeichnerischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Raum.

Der Künstler ließ in seinem Atelier aus Fundstücken (alte Lampen, Schränke Regale, Tücher etc.) verwinkelte und verschachtelte Aufbauten entstehen. Aus der künstlerischen Beobachtung dieser Aufbauten heraus, sind mit handwerklichem Eifer unter dem Einfluss von zeitlichen Ereignissen über die Jahre zahlreiche freie Zeichnungen entstanden. Unter Berücksichtigung von Grundlagen der Gestaltung (Perspektive, Disposition, Kontrast uvm.) im Zusammenspiel mit bildnerischer Erfindung, entwickeln sich aus diesem Vorgehen unter Anderem die Serien „Räume bei Künstlern“ und „para dies“.
Während der erarbeiteten Aufbauten erwacht im Februar 2018 dann zum ersten Mal das „Hasickel“ zum Leben. Ein lebendiges Tier, dessen Namensgebung einer Wortschöpfung entwächst, die sich am Dadaismus orientiert. Eine künstlerische und literarische Avantgarde-Bewegung, die 1916 von Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara, Richad Huelsenbeck, Marcel Janco und Hans Arp in Zürich begründet wurde. Sie zeichnet sich aus durch die Ablehnung „konventioneller“ Kunst und Kunstformen.

An den Grundgedanken dieser Ideologie anschließend und auf die heutige Zeit beziehend, lehnt Andreas Jackstien die Wortneuschöpfung „Hasickel“ hieran an und kritisiert zugleich das beim Menschen vorherrschende Gefühl der Überlegenheit und schamlose Machtgier – auch Gegenüber der Tier- und Pflanzenwelt und aller weiterer Materie.

Als Material verwendet Andreas Jackstien das, was ihm in die Finger fällt: Bleistift, Farbstift, Wasserfarbe und Akrylfarbe auf Papier.
Er vermischt in den Arbeiten zahlreiche zeichnerische Techniken mit denen der Malerei. Hier keimt der Ursprung seines Vorhabens, das eigentliche Wesen der Dinge zu erfassen. Alles fließt und ist in seinem Zustand nicht gleich, sondern einzigartig in seinem Verhalten zueinander und seiner materiellen Form. So verschwimmt die Grenze zwischen menschlichem Sein und dem Sein der Dinge und anderen Geschöpfen. Ebenso vage ist die Grenze zwischen den Zuständen des Seins und stellt den Künstler vor die Schwierigkeit alles in seinem wahrhaftigen Ausdruck zu erfassen.
Er hat bewusst Papier als Mal- und Zeichengrundlage ausgewählt, weil es labil und leicht zerreißbar ist. So vermittelt die Materialität von sich aus schon den Ausdruck von den existenziellen Eigenschaften der Verwundbarkeit und der Verletzlichkeit.

Die Bildtitel, die der Maler und Zeichner seinen Werken der „Hasickel – Serie“ zuordnet, verstärken zum Teil das Anliegen des Künstlers eine tiefere Deutungsebene zu suggerieren. Menschliche Befindlichkeiten und Charakterzüge übertragen sich auf die tierischen und dinglichen Darstellungen.
So lassen sich Parallelen auf Zustände der menschlichen Gesellschaftsordnung ziehen, die in der Welt des „Hasickels“ zum Thema werden. So verweist auch schon der Titel „Hasickels Seinsuchsinn“ auf die Aufgabe eines Jeden, sich zu positionieren und zu reflektieren. Die „Hasickel-Serie“ wird so zum Exempel einer gesellschaftskritischen Denkweise. Gleichzeitig steht die Arbeit im offenen Dialog mit der Literatur- und Kunstgeschichte.

Ausgestellt sind einige Arbeiten der Hasickel Serie in Form einer Wand- Installation im Mindener Museum als Teil der Spannfeld – Ausstellung vom Verein für aktuelle Kunst im Kreis Minden-Lübbecke. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Januar 2019.

Autor: Louis de Marssale ( † 15.Juni.1938)

 

Bildtitel

9
„UNdFREI“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

6
„MalEnde“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

1
„Das Hasickel fabuliert den LAMPEn, wie man dem verrohten Hasen die Bilder verklären kann.“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

2
„fair“steckt“
Mischtechnik auf Papier, 70 x 50 cm, 2018

3
„Hasickel Klone“ (in 5 Teile gerissen)
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018 (in verschieden kleinere Formate zerteilt)

4
„wundgeleckt“
Mischtechnik auf Papier, 70 x 100 cm, 2018

7
„Das Hasickel nach einem o(h)rdentlichen Streit zwischen Vincent Gauguin und Paul Van Gogh“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

5
„WIeDERBILD“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

10
„so mal so und oder so“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

8
„Lampe“
Mischtechnik auf Papier, 100 x 70 cm, 2018

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