Tierdarstellungen auf Wappen

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Text: Annette Bültmann

Tierdarstellungen auf Wappen zeigen häufig Löwen und andere Raubkatzen, Stiere, Hirsche, Bären, Adler und andere Tiere, die Stärke symbolisieren, denn Wappen wurden ursprünglich als Schilder im Kampf getragen, sowohl in Schlachten aus auch bei Turnierkämpfen. Auch Fantasiewesen wie Greife und Drachen, oder Löwen mit Fischschwänzen und geflügelte Stiere kommen als Wappentiere vor. Die kämpferische Natur der Darstellungen auf Wappen zeigt sich auch daran, dass in der Wappenkunde und Wappenkunst, der Heraldik, die Zähne, Krallen und Hörner der Tiere als Bewehrung oder Bewaffnung bezeichnet werden. Es kommt auch vor, dass Tiere flammenspeiend oder flammensprühend sind, was ebenfalls zur Bewehrung gezählt wird.

Wappen des Ritters der Tafelrunde Danain le Roux, Bildautor: Yves [GFDL ou CC BY-SA 4.0], de Wikimedia Commons

Die bei den Römern verwendete Drachenstandarte stammt möglicherweise aus dem heutigen Russland, von den Samarten, so wird vermutet, die im römischen Heer als gepanzerte Lanzenreiter dienten. Vielleicht identifizierten sich gepanzerte Reiter, die quasi die Vorläufer der späteren Lanzenritter im Mittelalter waren, mit dem schuppig gepanzertem Reptil. Zur Zeit der Völkerwanderung wurde die Drachenstandarte auch von germanischen Stämmen übernommen, während in gotischen Kathedralen Drachen als Darstellung von Dämonen auftauchten. In der Wappenkunde wurde der Drache als Symbol der Stärke gerne feuerspeiend dargestellt, aber es gibt auch Wappen, auf denen der hl. Georg oder der Erzengel Michael gegen einen Drachen kämpft. Drachen werden in der Heraldik auch als Schildhalter und Helmzier verwendet.

Wappen des Ritters der Tafelrunde Seguran le Brun, Bildautor: Chatsam [GFDL ou CC BY-SA 4.0], de Wikimedia Commons

Viele Tiere, die auf heutigen Wappen zu sehen sind, wurden bereits bei frühen Hochkulturen in Fresken, Reliefs oder als Skulpturen dargestellt und verehrt.
Die altägyptische Kulrur kannte widderköpfige, löwenköpfige, katzenköpfige, falkenköpfige, ibisköpfige, schlangenköpfige, krokodilköpfige Gottheiten, eine Gottheit mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe, und Gottheiten mit Geierhaube.

Hathor als Kuh mit Sonnenscheibe, Bildautor: Jeff Dahl [GFDL ou CC BY-SA 4.0], de Wikimedia Commons

Die minoische Kultur auf Kreta und Santorin kannte sowohl einen Stierkult, als auch Vogeldarstellungen und eine vogelköpfige Gottheit, wie sie auch bei anderen bronzezeitlichen Kulturen vorkamen. Die Kultur der Minoer ist bis heute teilweise rätselhaft, ihre Schrift Linear-A bisher kaum entschlüsselt.
Die Mykener, deren Schrift Linear-B entschlüsselt werden konnte, und deren Texte in einer frühen Form der griechischen Sprache verfasst sind, hatten ein Löwentor, mit einem monumentalen Löwenrelief über dem Türsturz des Haupttores der Stadt Mykene.
Das Ischtar-Tor, ein der Stadttore von Babylon, zeigt in gelben Farbtönen auf blau glasierten Ziegeln sowohl Stiere als Symbole des Wettergottes Adad, Löwen als Symbole der Göttin Ischtar, als auch ein Fabelwesen, Mardukdrache genannt, als Symbol des Stadtgottes von Babylon. Dieses hat einen gehörnten Schlangenkopf und geschuppten Körper, die Vorderbeine eines Löwen und die Hinterbeine eines Adlers.

Mardukdrache am Ischtar-Tor, Quelle: Flickr Commons

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