Seeigel im Meer der Kreidezeit

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Text und Seeigelfotos: Annette Bültmann

Wuchsen da auch Schachtelhalme, zu der Zeit, als diese fossilen Seeigel lebten, wäre eine Frage, die sich stellen könnte, wenn man nicht unbedingt ein Paläontologe ist.
Ja, es gab Schachtelhalme, wäre die Antwort, aber wie groß waren sie?
Beim Abbau von Kohlehalden wurde so mancher Riesenschachtelhalm gefunden, und diese stammen aus dem nach der Kohle benannten Karbonzeitalter. Die Ablagerungen aus dem Karbon sind sehr viel älter als die aus der Kreide, zur Zeit des Karbon gab es die Kalamiten, 10-30 Meter hohe Schachtelhalmgewächse.
Die heutigen kleinen Schachtelhalme gehören zu einer Schwesterfamilie, Equisetaceae. Bis in die Kreidezeit gab es Gondwanastachyaceae und Tchernoviaceae, ebenfalls Schachtelhalmgewächse.
Stellen wir uns nun die Flora der Kreidezeit vor, es ist anzunehmen dass die Schachtelhalme schon kleiner geworden waren und zusammen mit anderen Pflanzen teilweise auch in Coniferen-Wäldern eine Art Unterholz bildeten, und die Pflanzenfresser unter den Dinosauriern sich grasenderweise davon ernährten.
Hochgewachsene Nadelwälder bedeckten einen großen Teil der Kontinente. Kleinere Pflanzen wie Farne, Gingkos, Palmfarne, Schachtelhalme und Lycopoden bildeten einen Unterwuchs. Die ersten Blütenpflanzen hatten begonnen zu blühen.

Das Klima war warm, die Polkappen eisfrei, der Meeresspiegel lag weitaus höher als heute. In den Meeren gab es Riesenammoniten, die zu den Kopffüßern gehören, also Verwandte der heutigen Tintenfische waren. Außerdem gab es große Meeresreptilien, wie Ichthyosaurier, Plesiosaurier, diverse Arten von Ur-Krokodilen, und die bereits in der Frühzeit der Paläontologie als ausgestorbene fossile Lebensform erkannten Mosasaurier, bis zu 18 Meter lange Schuppentiere, gute Schwimmer, die sich von anderen Meerestieren ernährten, und vermutlich lebendgebärend waren.
Natürlich gab es zu dieser Zeit bereits eine eine große Zahl von Fischen, vor allem Teleostei, Echte Knochenfische, die auch den größten Teil der heute lebenden Fischarten ausmachen.

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Knochenhechte (Lepisosteus sp.), Überlebende der zweiten Evolutionswelle der Strahlenflosser. Dieses Bild basiert auf dem Bild “Kaimanfische (Lepisosteus).jpg” aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist “Raimond Spekking”.

Quastenflosser hingegen, als “lebende Fossilien” nur noch mit wenigen Arten in den heutigen Gewässern vertreten, waren auch in der Kreide bereits weniger häufig vertreten. Allerdings gehören der Systematik nach auch die Landwirbeltiere zu den Muskelflossern, sind daher nahe Verwandte der Quastenflosser, und haben sich außerhalb des Wassers zu großer Artenvielfalt entwickelt.
Weitere Meereslebewesen, die als Fossilien dieser Zeit relativ häufig anzutreffen sind, waren z.B. Belemniten, Kieselschwämme und Seeigel.

Als Schalenrest oder Steinkern oft sehr gut erhalten, werden im Geschiebe und an den Meeresküsten diverse Arten von Seeigeln gefunden. In den Gehäusen von Seeigeln auf dem Grund des Kreidemeeres sammelte sich Kieselsäure, die Vorstufe des Feuersteins. Seeigelfossilien bestehen daher meist aus Feuerstein, manchmal bleibt auch die Kalkschale erhalten.
Solche Feuersteinablagerungen entstehen innerhalb der Kreide, die sich als Sediment auf dem Meeresboden bildete aus Überresten kalkhaltiger Kleinorganismen, wie Kalkalgen, Wurzelfüßern und Muschelkrebsen. Kalknanoplankton, Coccolithophoriden, besteht aus einzelligen Organismen, die winzige Kalkschuppen ausbilden. Dieses Plankton gibt es in fossiler Form seit der Trias, und in Form der Ablagerungen der Schreibkreide bildete es große Sedimentschichten, die heutigen Kreidefelsen von Rügen, die südenglische Küste bei Dover, und die Formationen am Rand der Ardennen bei Aachen und Maastricht.
Auch heute noch gibt es das kalkhaltige Meeresplankton. Die Gattung Braarudosphaera, gefunden z.B. in der Maastrichter Kreide, existiert noch heute.

Auch die Kieselsäure, die sich später zu Feuerstein verdichtete, stammt wahrscheinlich aus den Überresten von Organismen wie Kieselalgen und Kieselschwämmen. Kieselsäurehaltige Lösungen kristallisierten im Verlauf der Jahrhunderte zu Feuersteinen aus und füllten die Seeigelschalen. Der Feuerstein bildet dunkle Formen, während die Schalenreste, falls noch vorhanden, hell sind.

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