Original und Kopie

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Interview des vm2000.net mit Jörg Boström

Malerei und Fotografie: Jörg Boström

 

 

Du machst ja nicht nur Bilder, sondern auch immer wieder Bücher mit Bildern, interessiert Dich demnach auch die Vervielfältigung der Bilder?

Ja, auf jeden Fall ist die Vervielfältigung von Bildern auch für mich wichtig, weil die Bilder sind, meine jedenfalls, gemacht um gesehen zu werden. Nicht, um Geheimnisse zu bleiben. Also ich will, dass die Bilder so viel wie möglich gesehen werden können, und dadurch mache ich ja auch Bücher aus den Bildern. Und nicht immer habe ich einen Verlag, deshalb muss ich das mit diesem Programm im Internet machen. Da sind meine Bücher ja auch gut zu lesen, wer das will.

D.h. die Bücher sind auch eine Form quasi, ähnlich wie Ausstellungen, die Bilder allgemein sichtbar zu machen.

Genau. Und das finde ich am Internet wunderbar, dass das möglich ist. Dass man nicht abwarten muss, bis man eine Ausstellung zusammenträgt, sondern man kann im Internet auch jederzeit seine Bilder zeigen. Und ich finde, das ist eine wunderbare Sache.

Interessiert Dich die Vervielfältigung auch als Kunstform? Die Kunst der Vervielfältigung, in Form von Copy Art?

Nein, das sehe ich nicht so, die Vervielfältigung ist für mich so eine Art Ausstellung. Das Internet bietet mir die Möglichkeit, Bilder auszustellen. Und ich sehe das nicht als Copyart oder Copyright, meine Bilder sind vom Copyright befreit.

Haha, ich glaube das stellen wir lieber nicht so ins Internet, sonst nehmen das manche Leute wörtlich, und verwenden dann Deine Bilder ungefragt für alles mögliche.

Ja, das können sie, gerne.

Aha?

Bilder sind dazu da, gesehen zu werden, und die sollte man nicht irgendwie verstecken. Oder mit Copyright irgendwie abschirmen.

Also, Dir wäre das Recht, wenn Leute Deine Bilder ungefragt für alles mögliche verwenden würden?

Ja, aber ich bitte, dass man den Namen dabei nennt. Sie sollten sie nicht als eigene Bilder verwenden, das wäre natürlich Betrug. Sondern sie sollten die mit meinem Namen zeigen. Das können sie immer machen.

Hmhm. Du hast Dich ja früher als Fotograf mit der Vervielfältigung von Bildern beschäftigt, jedenfalls hast Du schonmal selbst Abzüge im Labor gemacht?

Ja, ich kann das. Ich habe jetzt lange nicht mehr im Labor gearbeitet, weil ich ja per Internet arbeiten kann. Deshalb habe ich analoge Fotografie lange nicht mehr gemacht. Aber ich bin froh, dass man im Internet und mit digitalen Geräten eben sehr gut Fotos machen und zeigen kann.

Früher hast Du häufig Abzüge gemacht, und inzwischen siehst Du dann jetzt mehr die elektronische Vervielfältigung als aktuelle Vervielfältigungsform?

Ich hab im Grund die analoge Fotografie, also mein Fotolabor, abgeschafft. Ich arbeite nicht mehr mit Entwickler und Fixierer und so weiter, sondern ich arbeite im Wesentlichen heute eben digital.
Aber ich bin ja auch schon so alt, dass ich nicht unbedingt im Fotolabor im Keller herumarbeiten will, und die Gerüche von Entwickler und Fixierbad in die Nase ziehe, und dabei möglicherweise meine Gesundheit gefährde.

Das stimmt, an diese Gerüche kann ich mich auch noch erinnern. Und auch, wenn man gerade keine Zange zur Hand hatte, dass man dann in das Entwicklerbad gefasst hat, was man auch nicht unbedingt machen sollte.

Nee, natürlich, das war sicherlich nicht sehr gesund, aber ich habe es überlebt, und Du ja auch.

Haha. Stimmt.

Aber andererseits bin ich sehr froh, dass ich das gemacht habe, denn ich hab sehr viele von meinen Fotos in meinem Archiv, als analoge Fotografie. Ich kann jederzeit Fotoausstellungen machen mit analogen Prints. Und teilweise sind sie ja auch in Sammlungen.

Z.B. im Ruhrmuseum?

Genau, im Ruhrmuseum. Da gehören sie ja auch hin. Ist ja besser, als wenn sie nur bei mir sind.

Das ist wahr. Hat Dich früher die Form der Vervielfältigung interessiert, also z.B. wie unterschiedliche Papiere oder Formate wirken?

Ja. Ja ja, ich habe im Prinzip großformatig 50×60, und Mittelformat 30×40, die habe ich hauptsächlich vergrößert, in meinem Labor. Und wenn ich die Möglichkeit hatte, oder Interesse da war, habe ich sie auch für Galerien oder Museen gestiftet.

Hmhm. Und Du würdest wahrscheinlich sagen, dass relativ große Formate interessanter sind für Ausstellungen.

Ja, unbedingt. Das meine ich schon, ja.

Das meine ich natürlich im Prinzip auch. Wobei manchmal auch kleine Formate interessant sein können, es gibt ja auch Miniaturen.

Ja, sicher. Ich habe ja meine Sammlung auch in verschiedenen Formaten, in meinem Archiv, ne. 30/40, 24/30, 50×60. Die größten, die ich analog habe, sind 50/60.

Größere Formate wären auch schwierig selbst herzustellen, unter dem Vergrößerer.

Ja, noch größer als 50/60 ist wirklich nicht leicht. Auch 50/60 ist mit dem Entwickler und Fixierbad nicht so einfach zu machen.

Bei 50/60 sind die Schalen schon ziemlich groß. Ich habe mal irgendwann gehört dass Leute noch grössere Prints gemacht haben, indem sie den Vergrösserer senkrecht an die Wand gerichtet haben, das Papier an die Wand geheftet, und es dann mit Schwämmen mit Entwickler eingestrichen.

Ja, das habe ich aber so nicht gemacht.

Hmhm, ich habe das so auch nicht gemacht. Ich habe das gehört und gedacht, „meine Güte, das ist ja ein Einsatz für die Kunst“.

Du hast aber mit Fotografie in dem Sinne keine Kunst gemacht, Deine Kunst fängt erst an im digitalen Bereich, ne?

Ich habe früher mal s/w Portraits gemacht, auch als Mappe, mit der ich mich dann für das Fotodesignstudium beworben hatte.

Ja, das hast Du gebraucht für Dein Studium, ne? Du musstest ja einreichen, bei der Bewerbung, analoge Prints.

Allerdings hatte ich die anfangs nicht für die Bewerbung gemacht, sondern anfangs hatte ich die einfach so gemacht. Also ich hatte die Leute fotografiert, mit denen man so unterwegs war, in jungen Jahren.

Ja. Mach doch mal ein Buch davon, mit den ganzen Künstlern, das sind doch Künstler gewesen, ne?

Das waren teilweise Musiker, zum Beispiel.

Ah ja, auch berühmte, später berühmt gewordene?

Nee, leider nicht. Leider sind die alle nicht berühmt geworden, schade schade. Die meisten haben wieder aufgehört, mit dem Musik machen.

Was mich interessierte, habe ich ja damals fotografiert, also da gibt es ja auch von mir diese Beuys Fotografien, analoge Originale, ne. Der hatte mich als Künstler, aber hauptsächlich als Person interessiert. Deswegen habe ich eigentlich mehr Fotos von ihm selbst gemacht, als von seinen Kunstwerken.

Ah, ja. Das heißt Du hattest eigentlich auch vor, eine Art Beuys Portrait zu machen.

Genau, genau.

Das war bestimmt beides interessant, bei Beuys, sowohl seine Performances, als auch seine Persönlichkeit.

ja, hmhm.

Also, nun komme ich nochmal zu der Vervielfältigungen, Es gibt ja den Begriff „elektronische Vervielfältigung“, zum Beispiel ist damit das Internet unter anderem gemeint. Du meintest aber in einem früheren Gespräch, wenn ich Dich richtig verstanden habe, dass nur Vervielfältigungen auf Papier für die Nachwelt erhalten bleiben? Also dass alles, was man nicht in Form von Prints oder Bücher hat, irgendwann verschwunden ist?

Ja, das sehe ich auch so.

Das meintest Du mal.

Es sind ja einige Menschen, die meine Fotos teilweise in Sammlungen haben. Aber da verschwinden sie auch oft spurlos. Also im Grunde ist, seit es das Netz gibt, das Netz das Wichtigste zum Publizieren von Kunstwerken und auch natürlich von Fotografien.

Hmhm. Aber trotzdem hattest Du die Gefahr gesehen, dass Bilder aus den elektronischen Medien irgendwann verschwinden, oder nicht mehr lesbar sind? Oder würdest Du lieber Dich absichern und quasi beide Wege wählen?

Naja, ich printe ja selber auch. Und die Originale habe ich ja. Also brauche ich für mich selbst keine Prints zu machen, ich habe ja die Originale. Wer sich für meine Bilder interessiert, der kann ja Printen.

Ich hatte mich gefragt, ob Du die elektronische Vervielfältigung, und die Vervielfältigung auf Papier, beides gut findest, oder?

Beides gut. Aber auf Papier, wenn es nur Papier ist, dann gibt es das ja auch nur einmal, ne.

Hmhm, das kommt natürlich darauf an, wieviele man davon macht.

Ja, ich habe aber analoge Prints, großformatige, immer nur einen oder höchstens zwei gemacht.

Hmh. Dadurch ist dann dieser Print quasi das Original.

Genau.

Das ist natürlich insofern schön, als dann tatsächlich man sagen kann, da gibt es ein Original.

Ich habe deshalb auch im Internet Kataloge gemacht, Bücher. Weil man die dann, also wer will, kann sie alle sehen.

Weil man dadurch dann eine unbegrenzte Anzahl vervielfältigen könnte?

Theoretisch ja, und im Grunde sind sie unbegrenzt, weil, jeder kann sie öffnen.

Das stimmt, sie sind eigentlich einer unbegrenzten Anzahl von Menschen zugänglich, die Bücher im Internet.
Hast Du schonmal Druckgrafiken gemacht, von denen es dann mehrere oder Hunderte von Originalen gibt?

Nein. Nein, das habe ich nie gemacht. Ich hätte die ja selbst machen müssen. Und ich habe ein oder zwei gemacht, aber nicht mehr.

Also bei Druckgrafiken kommt es ja manchmal vor, dass Künstler eine Auflage machen, mit Hundert oder zweihundert Stück.

Ja, ich habe ja in dem Sinne nicht Druckgrafiken gemacht, oder wenige, ich weiß das garnicht mehr so genau. Aber auch dann habe ich mir selbst ausgedruckt höchstens 10, aber doch nicht 30 oder 40.

Also, in der Fotografie könnte auch die Frage aufkommen, welches Bild ist das Original. Nur das Negativ, oder sind es die Abzüge, und dann wäre die Frage, wann ist ein Abzug ein Original, wenn ihn der Künstler selbst gemacht hat, wahrscheinlich, normalerweise?

Ja, nee, das Foto ist auch ein Original, wenn es ein analoges Foto ist. Das muss nicht der Künstler im Labor gemacht haben. Das kann auch ein Fotograf gemacht haben. Wenn es vom Negativ gemacht ist, analog, dann ist es ein Original.

Wenn es im Auftrag des Künstlers gemacht worden ist, meinst Du wahrscheinlich?

Nee, auch wenn es nicht im Auftrag des Künstlers ist, ist es trotzdem ein Original.

Ah ja. Also Du meinst, wenn es ein analoger Print ist, vom Negativ?

Ja, originaler gehts ja nicht, wie soll es denn sonst noch originaler sein? Dann wäre ja das Negativ das Original.

Man könnte sagen, das Negativ ist das Original, oder man könnte auch behaupten, ein Print, der signiert ist, ist das Original. Oder eben halt, wenn ihn der Künstler selbst gemacht hat, oder im Auftrag, ist es ein Original. Aber Du würdest sagen, jeder analoge Print ist ein Original?

Ja, das meine ich schon. Ja, im Grunde praktisch, wenn es der Künstler selbst gemacht hat. Wenn es ein anderer geprintet hat, dann ist es so ein Art nachgemachtes Original. Wenn es ein anderer im Labor entwickelt hat.

Hmhm, nachgemachtes Original, ich frag mich gerade, ich habe auch mal irgendwo den Begriff „Originalkopie“ gelesen, aber wusste nicht genau, was damit eigentlich gemeint ist.
Signierst Du manchmal Dein Prints?

Nein, habe ich eigentlich, das war mir zu feierlich, das habe ich nur auf Wunsch des Eigentümers gemacht, wenn einer von mir einen Print kauft oder geschenkt kriegt, und will dass ich das signiere, dann mache ich das, aber ich mache das nicht in Serie.

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