Interview Teil 20 – Ausstellungsorte und die Notwendigkeit der Kunst

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Interview des vm2000.net mit Jörg Boström

Du erwähntest in unseren Gesprächen bereits die Kunsthalle Düsseldorf und die Kunsthalle Bielefeld, dort warst Du ja an Ausstellungen beteiligt. Sowohl selbst als Künstler, als auch als Besucher hast Du sicher sehr viele Museen und Ausstellungorte kennengelernt. Gibt es Museen, oder andere Ausstellungsorte, die Dich besonders beeindruckt oder interessiert haben?

An die Kunsthalle Düsseldorf erinnere ich mich natürlich, weil ich dort auch in Düsseldorf angefangen habe mit Ausstellungen. Meine Arbeit über die Obdachlosigkeit wurde ja damals in der Kunsthalle Düsseldorf gezeigt, und das hat mir ja den Job in Bielefeld besorgt. Weil, die Bielefelder sind dann nach Düsseldorf gefahren, um sich meine Ausstellung anzusehen.

Und Ihr hattet vorher in der Kunsthalle Düsseldorf eine Ausstellung gestürmt, quasi?

Ja, das war die Ausstellung Minimal Art, und wir als PSR, Politisch Soziale Realität Gruppe, fanden das provozierend, dass in der Kunsthalle Düsseldorf eine Ausstellung mit Nichts, also Minimal Art, gezeigt wurde, wo keine Realität vorkam, sondern nur minimalistische Kunstobjekte. Das hat uns herausgefordert, und da haben wir eine Protestveranstaltung organisiert, und sind so in die Kunsthalle Düsseldorf gewissermaßen eingebrochen. Du kennst ja sicher einige Fotografien aus der Zeit.
Es wurde auch danach eine Diskussion offiziell organisiert, wo man über die Kunst und die Realität und die realitätsfern Kunst diskutieren konnte. Das war eine interessante Veranstaltung, die die Kunsthalle Düsseldorf für uns und für alle organisiert hatte, als Resultat unseres Protest-Einmarsches.

Nicht schlecht! Zu der Zeit war anscheinend der Gegensatz zwischen Realismus und abstrakter Kunst besonders ausgeprägt?

Der war besonders extrem, weil der Realismus in der damailgen Zeit garnicht vorkam, da war die Kunst gewissermaßen von vornherein realitätsfremd, das war so die Zeit der Leere sozusagen, der Null Kunst.

Während man heute ja manchmal sowohl abstrakte als auch gegenständliche Bilder in derselben Ausstellung findet.

Ja, heute ist die Szene nicht mehr so ideologisch verklemmt, sage ich mal, sondern offener als damals. Dadurch konnte man damals auch viel Protestveranstaltungen und Diskussionen organisieren.

Also damals war die abstrakte Kunst quasi zur Ideologie gemacht worden?

Ja, ja.

Während der Realismus als nicht mehr zeitgemäß abgewertet wurde?

Der wurde gewissermaßen als Nicht-Kunst abgewertet, ja. Es gab diesen berühmten Spruch eine Kunsttheoretikers der damaligen Zeit, der wie ein Papst-Spruch über der Kunstszene schwebte: Der Gegenstand ist nicht mehr tragfähig. Und dieser Spruch hat uns natürlich oft provoziert.

Jetzt sind wir ein bisschen vom Thema Museum weggekommen.

Ja. Ich bin nicht quer durch die Welt geturnt, um Museen zu besuchen. Ich war Düsseldorfer und hauptsächlich habe ich dort die Museen und die Galerien reichlich besucht. Und insofern war ich nicht häufig auf der Museumsinsel in Berlin.

Gibt es Orte oder Kunstwerke auf der Museumsinsel, die Dich besonders interessiert haben, wenn Du mal da warst?

Ich kann mich da nicht dran erinnern. Ich müsste gucken, in meiner Biografie. Ich kann jetzt nicht aus dem Kopf Dir sagen, welche Ausstellungen ich da auf der Museumsinsel besucht habe.

Ich kann mich aber erinnern, dass eine Deiner Arbeiten im Rahmen eines Projekts mit Studenten mit dem Pergamon Altar zu tun hatte.

Mit dem Pergamon Altar habe ich mich auch als Maler auseinandergesetzt.

Es gab auch mal ein Projekt, das nach Prometheus benannt war. Es gab zum einen das Projekt “Das Lächeln des Prometheus” und dann gab es noch “Der steinerne Prometheus”, hatte das mit der griechischen Mythologie zu tun, und mit Industrie? Dass Prometheus, der den Menschen das Feuer gebracht hat, dadurch auch die Industrialisierung und die Hochöfen ihnen gebracht hat?

Ja, das war für mich wohl so ein Art Symbol für die Erneuerung auch in der Kultur, der Prometheus. Und ich hab ja auch ein Buch gemacht, der steinerne Prometheus, das sich mit diesem Thema beschäftigt, schau es Dir mal an.

Ich denke, der steinerne Prometheus hatte etwas mit Industrie zu tun, kann das sein?

Ja, genau. Und die Industrie selber hat mich als Thema immer wieder fasziniert, und mich hat in der Kunstszene auch gestört, dass die Industrie dort keinen hohen Stellenwert hatte, während ich die Industrie für sehr wichtig und interessant hielt. Und meine Arbeit hat sich ja auch sehr stark mit der Industrie beschäftigt. Es war also nicht die griechische Mythologie, die mich faszinierte, sondern die Industrie, der Prometheus war gewissermaßen ein Symbol des Gottes, der das Feuer, wie man gesagt hat, auf die Erde gebracht hat. Insofern also auch einer der Götter der Industrie. Die Kunst der Antike interessierte mich nicht besonders, es war in diesem Falle eben die Kombination, der Industrie mit dem Symbol des Prometheus.

Warst Du mal im Louvre in Paris? Warst Du in London in den Museen?

Im Louvre in Paris war ich sicher mal, ich kann mich aber jetzt nicht an spezielle Ausstellungen erinnern. Und das gilt auch für London. Ich habe in London natürlich auch Museen besucht. Mein Gedächtnis ist jetzt in meinem Alter über 80 nicht mehr so gut, dass ich das alles da abgespeichert habe. Ich müsste gucken, um mich zu erinnern. Das gilt auch für die documenta-Besuche, die ich mit der Kamera auch gemacht habe, und viel fotografiert habe auf der documenta.

Die Erinnerungen kommen dann anhand von Fotos wieder, und ansonsten ist das Problem bei großen Ausstellungen und großen Museen, dass die Eindrücke so viele sein können, dass sie in der Erinnerung verschwimmen?

Ja. Und meine Zechenbilder sind tatsächlich in einer ehemaligen Zeche ausgestellt worden, das war auch beeindruckend. Ich habe das natürlich auch fotografiert. Für mich war die Industrie eben die Wirklichkeit, und die Kunst, wie ich sie auffasste, war ein Spiegel der Wirklichkeit. Insofern spielte die Industrie in meiner Kunst eine grosse Rolle.

Insofern würde es natürlich auch gut passen, wenn die Bilder auch an Industrie Orten ausgestellt werden.

Ja, das war auch manchmal der Fall. Obwohl ich auch finde, wenn sie im Museum waren, dass der Kontrast interessanter auch ist, als wenn Industrie zu Industrie kommt. Wenn Industrie aber in die Kultur reinkommt, dann ist das noch spannender. Das Abenteuer, in einer Zeche auszustellen, habe ich natürlich sehr bewusst wahrgenommen.

Aber Du findest auch gut, wenn die Zechenbilder in die Kunstwelt hineingeraten.

Ja, natürlich. Gerade der Kontrast Industrie und Kunstmuseum, der ist für mich spannend gewesen. Ich habe ja meine Kunst im Rahmen der Industrie gemacht, und ich habe meine Bilder ja nicht nur als Dokumentation aufgefasst, sondern auch als Kunst. Und gerade weil sie in Kunsthallen nicht vertreten waren, war das für mich eine Provokation, Industrie Kunst zu machen. Sowohl Malerei als auch Fotografie.

Du hast ja Zechenbilder gemacht, die einen sehr starken Hell-Dunkel-Kontrast haben.

Ja, ich habe ja auch viel unter Tage fotografiert. Und auch einige Bilder unter Tage gemalt, und das war schon spannend für mich.

Du hattest als künstlerisches Vorbild schonmal Rembrandt genannt?

Ja, Rembrandt hatte eine besondere Fähigkeit mit Licht und Schatten zu arbeiten. Wie Du weißt, ist das Schattenthema bis heute noch für mich von Bedeutung, auf meinen Bildern.

Und auch in den Fotografien kommt das Hell-Dunkel vor, in den Zechenbildern.

Ja, natürlich, da ist es sogar extrem, weil die Zechen ja rabenschwarz dunkel sind, und nur durch die Lampen die man selber auf dem Kopf hat, auf dem Helm, schafft man da Beleuchtung, mit seinen Freunden. Man trägt gewissermaßen das Licht mit sich herum in die Zechen.

 

Als Besucher hattet Ihr eine ähnliche Lampe auf dem Kopf wie die Bergleute?

Ja, genau. Man bekam ja aus Schutz, aus Versicherungsgründen auch einen Helm aufgesetzt. Man durfte ohne Helm da garnicht herumlaufen. Weil, man hätte sich ja am Kopf verletzen können, weil zum Teil die Gänge sehr eng waren, man musste sich bücken um überhaupt laufen zu können. Man kroch ja beinahe durch die Erde.

Das ist schon abenteuerlich.

Ja, ist es auch, hat mich auch immer wieder fasziniert.

Wegen schlagender Wetter gibt es auch Vorsichtsmaßnahmen, d.h. Ihr durftet dann auch keine Belichtungsmesser und Ähnliches mitnehmen?

Ja. Ich hatte ja hochempfindliches Filmmaterial in meiner Kamera, so dass ich da schon Einiges fotografieren konnte mit den sehr pixelreichen, äh, kornreichen Bildern.

Stimmt, ich erinnere mich an hochempfindliche Filme.

Die waren sehr, Pixel waren das ja nicht sondern Körner, regelrecht körnerreiche Fotos.

Rembrandt hatte Dich schon interessiert? Er hatte ja starke hell dunkel Kontraste in seiner Malerei.

Ja, absolut. Er hatte sein Kunst sehr stark auf Lichtwirkung aufgebaut, sozusagen vorfotografisch. Insofern ist er gewissermaßen ein Vorläufer der Fotografie, man kann es so sehen. In den Zechen ist ja wirklich hell dunkel.
Aber es war nicht so, dass mich nur Rembrandt interessierte, die Renaissance hat mich auch interessiert, ich war nicht nur an der Gegenwartskunst interessiert. Und von der Gegenwartskunst haben mich auch nur Einige interessiert, ich war ja eben in so einer Oppositionsposition. Die Gegenwartskunst war eben vorwiegend abstrakt, was nicht so meine Sache war. Ich war oder bin auch noch immer ein Realist, ein Gegenstandskünstler. Und das war damals selten vertreten in der Kunstszene. Deshalb konnte man ja auch als Künstler ja auch in eine Oppositionsrolle gehen, und mit der Kamera gewissermaßen gegen die abstrakte Kunst an argumentieren, und Gegenstände in die Szene bringen, durch Fotografie. Und da war Gerhard Richter ja auch einer der Künstler, der eben  Gegenstände wieder auf dem Umweg über die Fotografie, und seiner fotorealistischen Malerei, wieder in die Kunstszene zurückbrachte.

Der war einer der nicht allzu vielen gegenständlichen Künstler zur damaligen Zeit?

Ja, genau. Und Immendorff hatte die Gegenstandskunst auf dem Umweg über die Comickunst wieder in die Kunstszene gebracht. Die Comics waren so seine malerische Grundlage für seine grandiosen gegenständlichen Bilder, auf der Grundlage eben der Comic Kunst.

Hmhm. Und Du warst auch bei den beiden größeren Ausstellungen, “Gerhard Richter: Panorama” und “Immendorff. Male Lago – unsichtbarer Beitrag” in der Neuen Nationalgalerie?

Ja, genau, das habe ich mir natürlich angesehen, und es hat mich fasziniert.

Ich habe mich gefragt, ob bei solchen großen Ausstellungen die Besucherzahlen zum Problem werden können.

Du fragst nach den Besuchern, ich habe ja Fotos auch gemacht von diesen Ausstellungen, und da habe ich auch die Gerhard Richter Ausstellung von außen fotografiert, die lange Schlange der Menschen, die dort Schlange standen, um Richters Bilder zu sehen.

Das ist einerseits gut für die Museen, wenn so viele Besucher kommen,  andererseits die Frage, ob man da noch ruhig die Kunstwerke betrachten kann.

Ja, man hat nicht die Ruhe, die man sonst hat, wenn man alleine in Gedanken gegenüber nur mit dem Bild im Dialog ist. Da ist man immer unter Menschen, den zahlreichen. Wenn Ausstellungen zahlreiche Besucher haben, ist das nicht so friedlich, und nicht so nachdenklich intensiv, wie wenn man beinahe alleine dem Kunstwerk gegenübersteht.

Du warst ja als Professor quasi berufsmäßig Kunstvermittler. Hast Du Dich deshalb auch schonmal mit der Kunstvermittlung in Museen oder Kunsthallen beschäftigt?

Ich bin als Professor selbstverständlich in Kunstausstellungen auch mit Studenten gewesen, ich habe Museen mit Studenten besucht, und solche Besuche organisiert. Ich kann Dir jetzt nicht aus dem Kopf sagen, welche das alle waren, aber für mich gehörten Museumsbesuche zur Lehrtätigkeit, selbstverständlich. Von Kunst habe ich ihnen nicht nur erzählt, sondern die Kunst eben auch gezeigt, und ich hab mir umgekehrt von meinen Fotos aus Museen, umfangreiche, einen Kasten habe ich jetzt noch auf dem Tisch stehen, Fotos gemacht, und dann projiziert, für Vorträge für die Studenten. Für mich war die Projektion von Kunstwerken, und von Realität natürlich, wichtiges Material, ich habe nicht nur von Kunst gequatscht, sondern sie auch gezeigt, das war für mich ein wichtiger Teil des Unterrichts.

Und Du warst auch manchmal mit den Schülern aus Duisburg in Düsseldorf in der Kunstakademie, wenn ich das richtig verstanden habe?

Ja, ja, das war für mich immer wieder interessant, die Kunstakademie gewissermaßen mit einer Truppe von Schülern zu besichtigen, und dadurch eine neue, frische Anschauung wieder zu kriegen von “meiner” Kunstakademie in Düsseldorf. Da ich als erster Job Lehrer, Kunsterzieher in Duisburg war, war das nicht so schwierig, von Duisburg nach Düsseldorf zu fahren, ein Viertelstunde mit dem Zug, ungefähr, ich weiß nicht mehr genau, wie lang.

Du hast mal in einer Eröffnungsansprache von der Notwendigkeit der Malerei gesprochen, ohne die das Leben schwer zu ertragen ist. Wäre Kunst demnach eine Art “Grundnahrungsmittel”, für Dich, oder auch für alle Menschen?

Für alle Menschen sicherlich nicht, aber für mich schon. Ich möchte nicht gerne leben ohne Malerei, und ich hab das schon von Kindesbeinen an gemacht. Das war für mich immer die wichtigste Tätigkeit, auch nebenbei in der Schule. Ich male, ohne daran zu denken, was aus der Malerei wird. Schon früher als Kind hat man gesagt, warum malst Du denn den ganzen Tag, arbeite doch. Und dann habe ich das Gefühl immer gehabt, das ist meine Arbeit, aber ich habe nicht daran gedacht, und muss daraus einen Beruf machen, das hat sich nur so ergeben, sehr zum Erstaunen meiner Eltern.

Stimmt, aus der Kunst einen Beruf zu machen, ist nicht ganz selbstverständlich.

Nein, das ist nicht zu erwarten. Auch nicht, dass man davon leben kann, aber ich konnte indirekt davon leben, weil es mein Beruf wurde in Lehrtätigkeit, sowohl am Gymnasium wie auch an der Fachhochschule.

Du sprachst da auch von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins, wäre Kunst demnach ein Gewicht, das das Leben beschwert um der unerträglichen Leichtigkeit entgegenzuwirken?

Von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins, das ist natürlich ein Zitat von Milan Kundera, so unerträglich fand ich mein Sein nicht, aber ich habe die Kunst dringend gebraucht, um mein Leben so zu gestalten, wie ich mir das vorgestellt habe.

Also, unerträglich leicht fandest Du es eigentlich nicht, oder auch nicht unerträglich schwer, sondern Du fandest Dein Leben soweit ganz in Ordnung?

Ja, ich fand es dann belanglos, ne, und durch Kunst wurde es für mich wichtig. Und tatsächlich ist es ja bis heute so, wenn ich mein Leben betrachte, dann schaue ich mir die Bilder an, die ich damals und immer wieder gemalt hab, das ist mein Leben. Dann kam später mit Dir auch dazu, das muss ich mal erwähnen, das Magazin, was auch für mich eine wichtige Rolle spielt, auch bei Dir ja, ne.

Hmhm, das ist natürlich auch eine Tätigkeit, die das Leben wichtiger machen kann.

Ja, genau, das ist so eine ähnliche Tätigkeit wie Kunst. Das Leben wird wichtiger, es wird interessanter, man kann reflektieren, man kann spiegeln, gewissermaßen, sich im Spiegel ansehen, indem man Artikel schreibt, oder Bilder macht, und man kann diese dann auch, seit es das gibt, damals gab es ja nicht, als ich anfing, das Internet, man kann auch seine Arbeit  dann für andere sichtbar machen, immer wieder, man braucht dazu kein Museum und keine Galerie. Das geht auch im Internet, und deshalb, wenn ich Bilder in Arbeit habe, oder fertig habe, dann stelle ich sie gerne ins Internet, wer will kann sie sich ja dann ansehen.

Und die Kunst ist für Dich ein Widerspruch zur Banalität des Lebens?

Ich würde nicht sagen ein Widerspruch, wenn ich das mal gesagt habe kann es natürlich auch so gemeint sein, aber Ergänzung, sage ich mal so, die andere Hälfte. Das Essen braucht man, und das Einkaufen, und das praktische Leben braucht man, und die Kunst braucht man, damit das praktische Leben auch gewissermaßen einen Sinn ergibt, so sehe ich das. Sonst würde man einfach nur von Leben zu Leben zu Leben zu Leben zu Leben, vom Essen zum Essen zum Essen zum Essen, und vom Schlafen zum Schlafen zum Schlafen zum Schlafen. Und das wäre, meine ich, zu wenig, wenn man nicht zwischendurch auch eben, wie ich das meine, Kunst machen kann. Kann nicht jeder, aber ich mache es. Und ich frage mich auch nicht, ob mir das einer anerkennt, oder abnimmt, abkauft, ich habe immer wieder Freunde, die das interessiert, und ich habe immer wieder berufliche Bereicherungen dadurch gehabt, bis heute. Heute hängen meine Bilder auch an einigen Orten, dank Philipps Arbeit, in Minden, wo ich manchmal, wie gesagt wenn ich mit Dir mal essen gehe, im “Roma“, dann sehen wir ja auch meine Bilder.

Hmhm, das stimmt, das ist auf jeden Fall auch eine Bereicherung.

Ja, das Leben ist nicht nur das Essen, sondern auch Kunst, und bei “Roma” kommt das beides zusammen.

 

Kommt es dabei auch auf die Form der Kunst an, oder kann jede Form, jedes Format diesen Widerspruch oder diese Ergänzung bilden?

Für die verschiedenen Künstler gibt es verschiedene Formen. Der Bildhauer oder der Maler oder der Installationskünstler usw. die verschiedenen Kunstformen sind eben Kunst und die haben auch diese Funktion, die Ergänzung und den Widerspruch, zum Leben, zur Banalität des Lebens, herzustellen. Meine Form der Kunst war ja immer die Flächenkunst, die Malerei oder die Fotografie. Inszeniert habe ich eigentlich nie. Reden gehalten habe ich manchmal, Vorträge, aber das ist ja keine Inszenierung im Sinne von Kunst.

Stimmt, Du hast mehr Eröffnungsansprachen gehalten, oder auch Vorträge.

Und, das mache ich ja auch ganz gerne, davon Bücher herzustellen, und die auszudrucken, für mich, und im Internet anzubieten für andere, wer sie lesen will, oder ausdrucken, der kann das tun.

Bei manchen Kunstrichtungen wird in der Kunst ein Auftauchen von Äußerungen des Unbewussten erwartet, der Traumwelt z.B. bei den Surrealisten. Sind solche Bilderwelten auch für Dich interessant?

Ja, sind sie schon. Ich selber bin mehr ein Realist in meiner Kunst, aber mir tauchen natürlich die Erinnerungen dann auf von der Wirklichkeit, und die spiegelt sich dann in meinen Bildern, und deshalb gibt es einen Dialog für mich zwischen der Realität, der optischen in diesem Falle, und meiner Kunst. Was ich sehe, wenn ich irgendwo bin,in Mecklenburg, dann ändern sich meine Bilder, als wenn ich in Berlin bin, oder in Minden. Die äußere Welt hat großen Einfluss auf meine bildende Kunst.

Aber dadurch dass Du auch Erinnerungen in die Bilder einfließen lässt, sind die nicht unbedingt rein realistisch?

Nein, Du hast Recht, die sind nicht rein realistisch, die kommen aus der Vorstellung. Aber was ich sehe, verbindet sich mit dem was ich erinnere. Insofern sind meine Bilder immer eine Art Kombination. Da ich sowieso Fotografie als Grundlage meiner Malerei schon lange mache, ist das was ich male ja auch die optische Realität, gewissermaßen, immer wieder. Es ist nicht nur ein Dialog zwischen Leben und Kunst, sondern auch ein Dialog zwischen der optischen Realität und der Malerei.

Zwischen der optischen Realität, und dem, was die Vorstellung des Künstlers daraus macht?

Ja, genau. Und da hilft bei mir auch sehr stark die Kamera, ich war schon immer mit der Fotografie als Skizzenbuch beschäftigt. Fotografie ist für mich eine eigene Kunstform, aber gleichzeitig auch ist sie Skizzenbuch für meine Malerei.

Manchmal nimmt Deine Malerei auch Formen an, die mit der Fotografie nicht mehr so viel zu tun haben, mir fällt da z.B. ein, dass Du mal auf Futtertröge gemalt hast. Figuren in Futtertrögen.

In was für Dingern? Ich weiß es nicht mehr. Futtertröge?

Ja, Futtertröge in Mecklenburg. Du hattest zwei unterschiedlich große Futtertröge auf dem Foto, ich kenne die Arbeit nur als Foto. Die hattest Du ja in Mecklenburg in dem Atelier das ein ehemaliger Stall war, und die Futtertröge hattest Du da wahrscheinlich gefunden, und dann als Malgrund verwendet.

Ja, war so.

Und da war in dem einen Futtertrog eine Figur als ganzer Körper, und in dem anderen ein Oberkörper. Aber ich denke nicht, dass die unbedingt nach fotografischem Vorbild entstanden sind.

Nein, sind sie nicht. Das ist so ein Kombination beinahe aus Skulptur und Malerei, ne.

Könnte man so sehen, ja.

Oder eben Objektkunst. Da werden reale Objekte durch Malerei in Kunstformen verwandelt. Und da beeinflusst die Wirklichkeit real meine Malerei, indem sie selber als Figur, als Gegenstand, in der Malerei enthalten ist und auftaucht.

Also die Gegenständlichkeit ergibt sich in dem Fall mehr durch den Futtertrog, der ja ein sehr greifbarer Gegenstand ist, als durch das Bild in dem Futtertrog, das in diesem Fall mehr etwas geisterhaft wirkt.

Ja, genau. Es ist eine Kombination aus Wirklichkeit und eben Malerei.
Du kannst, wenn Du diese Textfolge jetzt ins Netz stellst, auch gerne die Bilder, von denen wir sprechen, dazu stellen, damit der Betrachter weiß, wovon wir überhaupt reden.

Ich hatte sie auf jeden Fall gerade deutlich vor Augen, also vor dem inneren Auge. Die waren mir gerade vor Augen als Beispiel von Malerei, die nicht unbedingt nach Fotografie entstanden ist, sondern mehr teilweise aus der Vorstellung des Künstlers entsprungen. Man müsste überlegen, ob es da noch weitere Beispiele gibt, wenn man jetzt sich Gedanken darum machen würde, wie kann man am besten die beiden Pole Deines Werks darstellen. Das eine, was irgendwie quasi fotografisch ist, und das andere, was aus der Vorstellung stammt und in Futtertrögen Figuren sucht. Das ist beides sehr interessant, finde ich.

Das war hauptsächlich in Lansen entstanden, weil ich da die Objekte, oder auch Fensterrahmen, da hatte.

Aus Fensterrahmen sind auch Kunstwerke entstanden?

Ja, ich schicke Dir mal ein Beispiel.

 

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