Pfade – Spuren

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Text und Computergrafiken: Annette Bültmann

 

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Ein Netzwerk von Pfaden durchläuft die Wildnis, Spuren von Tieren auf regelmäßig benutzen Tierpfaden. Wildschweine, Rehe und Hirsche bewegen sich, zum Beispiel von Ruheplätzen zu Wiesen, auf so genannten Wildwechseln. Kleinere, von Hasen und Füchsen ausgetreten, kreuzen diese Wege. Noch schmalere, von kleineren Nagetieren, verzweigen sich wiederum von diesen. Auch Pflanzen verbreiten sich mit den Tieren auf diesen Wegen, und in trockenen Gegenden lässt sich Wasser finden, indem man zusammenlaufenden Tierpfaden folgt, die sich an Wasserstellen treffen.

Manche Wege existieren möglicherweise schon seit Jahrhunderten. Im dichten Dschungel können die Wege tunnelartige Formen annehmen, Auge, Ohr und Geruchssinn wirken zusammen bei den sich hier bewegenden Tierarten. Im Urwald, im Bambusdickicht, auf Bergen, in Tälern, in der dichten Vegetation genauso wie in der Steppe, finden sich die Spuren von laufenden Lebewesen, und auch in der Luft gibt es regelmäßig benutzte Fluglinien. Fledertiere orientieren sich auf den täglichen Wegen an linienförmigen Strukturen im Gelände, wie Baumreihen, Hecken, Alleen, Wasserläufen. Auf diesen Flugstraßen fliegen sie regelmäßig, zum Beispiel in der Abenddämmerung hin und in der Morgendämmerung zurück, und auch für den Flug ins Winterquartier werden bekannte Wege wieder gefunden.

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Auch der Mensch als Gewohnheitstier bewegt sich auf Netzwerken von Wegen, zu Fuß, in der Luft, und zu Wasser. Am Computer bewegt er sich per Mausklick durch verzweigte Datennetze. Spuren in der digitalen Welt bleiben noch einige Zeit gespeichert, auf Heimcomputern und Servern, z.B. im Browserverlauf, oder auf mobilen Geräten als Bewegungsdaten. Bits und Bytes rasen als Informationen durch Kabelstränge,von feineren in dickere Kabel, durch Unterseekabel, oder wandern durch den Äther, über Satelliten, die irgendwann als Weltraumschrott zurück zur Erde fallen oder in die Weiten des Weltraums verschwinden… “to boldly go where no one has gone before.”

Vielleicht bilden Konglomerate von Weltraumschrott irgendwann die Fossilien des Raumzeitalters, die Spuren einer Zeit die begann, das Schweben in Schwerelosigkeit kennen zu lernen, während Spuren früherer Epochen mit Bodenhaftung als Versteinerungen zu Land und auch zu Wasser zu finden sind. Die Paläoichnologie beschäftigt sich mit den Spuren früherer Erdzeitalter, Spurenfossilien werden auch Ichnofossilien genannt, von griech. ichnos, Fußspur. Fossile Spuren auf Meeresböden wurden bereits von frühen Lebensformen vor über 500 Millionen Jahren hinterlassen, als es auf dem Land noch kein tierisches Leben gab. Frühe Spuren von Landwirbeltieren stammen von Archosauriern, fünffingrige Trittsiegel werden Chirotherium genannt, Handtier. Diese und ähnliche Bezeichnungen, wie z.B. Grallator für einen dreizehigen, ebenfalls von laufenden Sauriern erzeugten Spurentyp, beschreiben nicht eine fossile Tiergattung oder Art, sondern ein Spurenfossil mit bestimmten Merkmalen.

 

 

Chirotherium-Monument zum Gedenken an die erste wissenschaftliche Beschreibung eines Tetrapodenspurenfossils (Chirotherium barthii) in Hildburghausen/BRD mit Rekonstruktion eines Teils der Original-Fährtenplatte anhand derer C. barthii beschrieben wurde (Bildhintergrund) und einer Bronzeplastik des vermuteten Erzeugers der Spur (Bildhauer: Martin H. Kroniger; wissenschaftliche Bearbeitung: Prof. H. Haubold, Universität Halle). Originale der Fährten befinden sich in 30 Sammlungen Europas. Der Sandstein, aus dem die Original-Platte besteht, ist etwa 240 Millionen Jahre alt (Unter-Trias). Chirotherium wurde sehr wahrscheinlich von frühen Archosauriern erzeugt, den Vorfahren der Dinosaurier, Krokodile und Vögel.

Chirotherium

By Bernd Hutschenreuther (Own work) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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