Anmerkung Ausgabe 77

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Anmerkungen

Kunst in der Kirche. Immer wieder hat die Kirche Raum und Zeit für Kunst. Nun auch in Minden zum kirchlichen Thema „Altäre“. Nun als persönliche Arbeit der Künstler.

Chris Reinecke ist als Künstlerin unvergessen auch aus der Zeit der Proteste in den 68er Jahren. Nun hat sie in einem Buch persönliche und stille Arbeiten in Wasserfarben vorgestellt. Eine wunderbare Bereicherung ihrer Werke.

Die Nippes Granatäpfel von Manfred Schnell sind ein variantenreicher und verlockender Hinweis auf die Früchte an den Körpern junger Frauen.

In der Ausstellung der Kölner Galerie Temporary Gallery werden avantgardistische Filme gezeigt, ergänzt durch Fotografien aus der Düsseldorfer Szene von Jörg Boström.

Um die Entwicklung der menschlichen Figuren geht es in der Ausstellung „Gestalt finden.“
Sie führt in Beispielen vor wie mit den verschiedenen Aspekten des Körpers, der Leiblichkeit des Menschen, gestaltet werden kann.

Und um die „Frühgeschichte“ des Computerzeitalters“ in der Fachhochschule Bielefeld durch Experimente mit der damals noch neuen Technik für Studenten und Dozenten geht es in einem kurzen Rückblick auf eine vergangene Zeit. Eine Erinnerung an den Beginn des persönlichen Computerzeitalters an der Fachhochschule Bielefeld wird geweckt in einer Bilderfolge aus alten Zeiten unserer Lern- und Lehrtätigkeit. Jörg Boström hat mit seinem letzten Jahresetat eine Gruppe von Computern und eine Gruppe von Studenten zusammengeführt, zu einem weiteren Gruppenexperiment im nun eroberten Internet. Eine Folge davon ist auch diese Zeitschrift, die nun wartet auf ihren 17 jährigen Geburtstag. Annette Bültmann war damals auch dabei. Nicht ohne Folgen, wie man sehen, blättern und lesen kann. Virtuelles Magazin 2000.

Das Bermuda-Dreieck bietet mit seinen Geschichten von verschwundenen Schiffen und Flugzeugen Stoff für Filme und Episoden, die sich unter anderem auch mit Zeitreisen beschäftigen.

Eine Zeitreise ist auch der Blick ins Universum, denn mit zunehmender Entfernung der beobachteten Sterne und Nebel blickt der Betrachter immer tiefer in die Vergangenheit, da das Licht von entfernten Galaxien schon vor Jahrmillionen ausgesandt wurde.

Ground Control to Major Tom? Can you hear me? In diesem bekannten Song wird das Erlebnis eines Raumflugs als “sitting in my tin can” und “floating in a most peculiar way”, auf seltsame Weise herumtreibend in einer Konservendose, beschrieben. Während im Bermuda-Dreieck die Pop-Kultur vergangener Jahrzehnte in Form von Suppendosen wieder an die Oberfläche gespült wird, und die Beobachtung der Sterne sich durch die Jahrhunderte hinweg verändert bis hin zur Annäherung an die Sterne in der beginnenden Raumfahrt, lauschen die Ohren  in allen Zeitaltern.

Grafiken von Zeitreisen auf Segelschiffen gestaltet Hinrich Storch. Es sind dies Erinnerungen an reale Schiffstouren. Man sieht den Bildern an, dass sie konkret auf dem Meer erdacht sind. Die Gestaltung selbst findet zuhause im Atelier statt, zugrunde liegen aber Skizzen, die bei den Schiffsreisen in Tagebüchern gestaltet wurden.

Schon immer und immer wieder war und ist die Zeit unser ständiger Antrieb.

Ein altes Gedicht wird so immer wieder neu:

 

Gedanken über der Zeit

Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit;
so wißt, ihr Menschen, nicht von und in was ihr seid.
Diß wißt ihr, daß ihr seid in einer Zeit geboren
und daß ihr werdet auch in einer Zeit verloren.
Was aber war die Zeit, die euch in sich gebracht?
Und was wird diese sein, die euch zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was und nichts, der Mensch in gleichem Falle,
doch was dasselbe was und nichts sei, zweifeln alle.
Die Zeit, die stirbt in sich und zeugt sich auch aus sich.
Diß kömmt aus mir und dir, von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit; sie ist in ihm ingleichen,
doch aber muß der Mensch, wenn sie noch bleibet, weichen.
Die Zeit ist, was ihr seid, und ihr seid, was die Zeit,
nur daß ihr wenger noch, als was die Zeit ist, seid.
Ach daß doch jene Zeit, die ohne Zeit ist, käme
und uns aus dieser Zeit in ihre Zeiten nähme,
und aus uns selbsten uns, daß wir gleich könten sein,
wie der itzt jener Zeit, die keine Zeit geht ein!

(Paul Fleming, 1609-1640)

 

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