Wie alles anfing – mein Beginn des Internetzeitalters am
FB Gestaltung

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Weg zum Computerseminar. 1995.

Den geplanten Abschied von meinem Job als Professor an der Fachhochschule Bielefeld vor Augen, kam mir die Idee, ein Seminar für den Gebrauch von Computern einzuführen. Meinen Dozentenraum machte ich öffentlich, ein Vorschlag kam an die Wand der Lehrangebote und von meinem Jahresetat kaufte ich 3 Rechner. Eine engagierte Gruppe von Studierenden kam zusammen. Wir begannen zu experimentieren. Auch für mich war der vielseitige Umgang mit den Programmen etwas Neues und Überraschendes. Gemeinsames Arbeiten, im Team und in der Gruppe war schon immer mein Lehrprinzip. Projektstudium eben wie zuvor die Erforschung und Darstellung des Lebens der Sinti und Roma, der Zechen und Hochöfen im Ruhrgebiet, der Gutshäuser in Mecklenburg Vorpommern.
So entstand als Abschied der Lehrtätigkeit das Computerseminar mit dem Computerraum, während sich im 1. Stock das Computerzeitalter in einem großen Seminarraum verwirklichte, heute die gut besuchten Räume des IKM – Information – Kommunikation – Medien.
Der Rechner war so eingeführt und reichlich verwendet. Bis heute gibt es das Virtuelle Museum und das Virtuelle Magazin 2000.

Prof. Jörg Boström

 

Erinnerungen von Annette Bültmann an das Computerprojekt:
Während des Fotodesignstudiums, das eigentlich mit s/w Fotografie und Laborarbeit begonnen hatte, geriet ich plötzlich und unversehens in die Anfänge des Internetzeitalters. Niemand wusste so genau, was dieses neue Netz der Menschheit bringen würde, aber es gab mit einem Mal Leute, die irgendwo in den USA eine Webcam auf dem Kopf trugen, wobei allerdings wegen der langsamen Übertragungsgeschwindigkeiten bei frühen Webcams nur maximal ein Bild pro Minute bereitgestellt wurde. Das Internet, heute weltweite Selbstverständlichkeit, befand sich in den 90er Jahren noch in der Entwicklungsphase, nachdem es 1991 in Genf gestartet war. Unser damaliges Computerkunst- und Internetprojekt an der FH Bielefeld bei Prof. Jörg Boström hatte eine Workstation mit mehreren gut ausgestatteten Rechnern, und natürlich auch eine Kaffeemaschine, leider aber keine Webcam. Daher blieb den Studenten nichts anderes übrig, als vor Ort selbst nachzuschauen, ob der Kaffee fertig ist.

Ganz im Gegensatz zu den Nutzern des Rechnerlabors der britischen University of Cambridge, die das Glück hatten, mit Hilfe der weltweit ersten Webcam auch in entfernten Gebäudeteilen den aktuellen Füllstand der Trojan-Room-Kaffeemaschine im Internet betrachten zu können.
Diese Webcam kam als erste ihrer Art schnell zu Berühmtheit. Inzwischen existiert, wenn auch bisher nur als Aprilscherz, ein eigenes Hypertext-Protokoll zur Steuerung von Kaffeemaschinen.
Mit diesem, so die Absicht der Entwickler, sollte es möglich sein, den Kaffee nicht nur über das Internet zu beobachten, sondern auch, ihn zu kochen.

Ebenfalls in den 90er Jahren in der Entwicklung waren die Touchscreens, anfangs nur auf Messen zu bewundern, während auf den meisten Schreibtischen noch schwere Röhrenmonitore standen, die vom Volumen her an ein Aquarium erinnerten. Möglicherweise stammt daher auch der Begriff “Fish Tank VR”, für eine virtuelle Welt in die man nicht völlig eintaucht, sondern sie wie der Betrachter vor einem Aquarium von außen bewundert.
Das Computerprojekt an der FH hatte allerdings damals schon einen Touchscreen der 1.Generation, hätte man meinen können, den der am häufigsten frequentierte Monitor in der Workstation war immer mit Hunderten von Fingerabdrücken versehen, da immer gerade wieder jemand sein neuestes Projekt gezeigt hatte, und auch im Computerzeitalter ein Bedürfnis nach der haptischen Dimension bestehen bleibt.

“Der Übergang vom Industriezeitalter ins Informationszeitalter begann in den 1970er und 1980er Jahren mit der zunehmenden Digitalisierung von Daten und der zunehmenden Bedeutung kommunikativer Netzwerke. Die Übergangsphase ist allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen, auch wenn viele Autoren die Zeit um 1990 als endgültigen Beginn des Informationszeitalters ansehen.” Wikipedia: Informationszeitalter

In der Zeit um 1990 jedenfalls begann am Fachbereich Gestaltung die Arbeit mit digitalen Bildern. Digitale Fotografie wurde nach und nach gebräuchlich, außerdem konnten nun auch in der Zeit der klassischen Fotografie entstandene Bilder und Negative gescannt und am Rechner weiterbearbeitet und nach Entstehung des Internet dort auch veröffentlicht werden.
Nicht nur Fotos wurden dort an den Computern betrachtet, sondern auch am Rechner selbst erzeugte Bilder, wie mit Hilfe eines Grafiktabletts erstellte Computerzeichnungen, oder 3D-Renderings.

Steampunk und Cyberpunk, zwei kulturelle Phänomene, die die Frühzeit des Computerzeitalters begleiteten, blieben weitgehend auf den Bereich der Literatur und des Films beschränkt, obwohl sie auch einige Computerspiele hervorbrachten.
Am Fachbereich belebten die entsprechenden Filme zeitweise das Filmseminar, das ansonsten auch durch Fellini-Filme geprägt war. Ist die Schluss-Szene aus Fellinis 8 1/2 mit Schauspielern und Zirkusleuten am unbenutzten Filmset schon eine Ankündigung des Steampunk-Zirkus?
Einige Computergrafiken zeigen Anzeichen dieses kulturellen Phänomens.

 

Auch das vm2000.net verdankt seine Entstehung dieser  Computerworkstation.

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