Wässerchen gefällig?

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Text: Annette Bültmann

Des einen Freud, des anderen Leid – die Solequelle “Hammer Brunnen”

Die Stadt Hamm in Westfalen, am Rande des Ruhrgebiets gelegen, war nicht nur eine Zechenstadt, sondern auch früher mal ein Badeort, sie führte die Bezeichnung “Bad Hamm” von 1882 bis 1955. Heute ist noch ein Teil des ehemaligen Kurhauses erhalten, und der frühere Kurpark. In diesem ist im Jahr 2009 ein Gradierwerk neu errichtet worden, so dass dort durch das Verrieseln von Sole über den Reisigbündeln entstehende salzhaltige Luft bei Spaziergängen im Kurpark inhaliert werden kann.
Kurbetriebe vergangener Epochen waren Orte, an denen sowohl Gesundheit als auch Zerstreuung gesucht wurden. Sie waren Schauplätze von Begegnungen, es wurden Kurkonzerte aufgeführt, das Hotel- und Gaststättengewerbe florierte.

Der Hammer Kurpark mit Badehaus auf einer Ansichtskarte von 1909

In Hamm war es die Sole, die den Kurbetrieb ermöglichte, salzhaltiges Wasser, das für Wannenbäder und andere Anwendungen, wie z.B Gurgeln, verwendet wurde. Die Sole war kohlensäurehaltig und hatte im Vergleich zu anderen Kurbädern einen relativ hohen Salzgehalt. Sie stammte aus einer Quelle in Werries und wurde von dort aus durch Rohrleitungen zum Kurpark geleitet. In der Anfangszeit, als die Sole noch nicht von Werries nach Hamm geleitet wurde, reisten seit dem Jahr 1877 Badegäste in Wagen, Omnibussen, Pferdekutschen und zu Fuß von Hamm aus zur Quelle in Werries.
Gleichzeitig begann in Hamm der Bergbau, die Solequelle war zufällig bei Bohrungen auf der Suche nach Kohle gefunden worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann wurden in Hamm die Bergwerke Maximilian, Sachsen, Radbod, und Heinrich Robert eröffnet. Letztere wurde 1998 durch Zusammenlegung mit “Haus Aden“ in Oberaden und “Monopol“ in Bergkamen zum Bergwerk Ost. Bis zum 30.September 2010 wurde im Bergwerk Ost Steinkohle gefördert. Die Zeche Heinrich Robert blickte zu dieser Zeit auf eine 109-jährige Betriebsgeschichte zurück. Nicht alle Zechen im Raum Hamm hatten eine lange Förderdauer. Die Zeche Maximilian wurde in den Jahren 1904-1907 abgeteuft, das bedeutet, die Schächte wurden bis zur Tiefe der kohleführenden Schicht gegraben, wobei es in diesen Jahren bereits mehrere Wassereinbrüche gab. 1907 wurde im ersten Schacht das Karbon erreicht, aber Gasaustritte und die Sole erschwerten weiter den Kohleabbau. Nachdem von 1912-1914 eine steigende Kohleförderung mit zuletzt über 2000 Mitarbeitern erreicht worden war, kam es 1914 zu einem neuen starken Wassereinbruch. Als auch Anschlussstücke für die Wasserpumpe wegen des Ersten Weltkriegs nicht mehr geliefert werden konnten, überschwemmte das salzige und kohlensäurehaltige Wasser, die Sole, im August 1914 die Zeche. Die Pumpen versagten, die Bergleute standen zuletzt bis zur Brust im Wasser, mussten die Zeche verlassen, und am 13. August meldete die Tageszeitung “Westfälischer Anzeiger”, die Zeche Maximilian sei ersoffen. Nach vier Wochen lief das Wasser sogar über Tage aus.
Des einen Freud, des anderen Leid – die Solequelle in Werries, die das salzige Wasser für den Kurbetrieb im Kurpark Bad Hamm lieferte, lag in der Nachbarschaft der Zeche Maximilian. Die Kumpel der Zeche kamen daher vor der endgültigen Überflutung zu einem unfreiwilligen Solebad in der 31 Grad warmen gesundheitsfördernden Quelle mit 9% Salzgehalt.

Das Gradierwerk im heutigen Kurpark, Fotografien: Annette Bültmann

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