Nach Minden mit der Bahn

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Besucher der Stadt Minden, die mit der Bahn anreisen, und sich per Pedes auf den Weg in die Innenstadt machen, sind eventuell etwas erstaunt, wenn sie feststellen, dass sie sich auf einer etwas längeren Wanderschaft befinden, mit Aussicht auf grüne Auen, später dann noch auf die Weser, die man auf einer Brücke überquert, mit Blick auf die Porta Westfalica, bevor sich der müde Reisende nach diesem erfrischenden Fußmarsch dann endlich dem äußersten Ende der Mindener Innenstadt nähert.

Dort in der Bäckerstraße angekommen, ist auch ein Stadtplan zu finden, auf dem der Markt und der Dom zu sehen sind. Folgt man dem Plan in eine Gasse, in der Hoffnung dass sie zur Vinckestr. und damit zum Markt führt, steht man nach wenigen Metern vor Gittern, die den Durchgang versperren, und einer wegen des unerwarteten Besuchs leicht verwirrt wirkenden Taube.
Wie kommt es zu diesem seltsamen Phänomen? Ist Minden eine Stadt der Wandervögel und Zaunkletterer?

Wer Näheres über die Geschichte der Stadt erfährt, stellt dann irgendwann fest: es gab noch einen zweiten Bahnhof, heute ein Museum.
Dieser gehörte zur Mindener Kreisbahn, auch Kleinbahn genannt, einer Bahn mit einer Spurweite von 1 Meter, die seit 1898 die erste Strecke von Minden nach Uchte befuhr, später auch Strecken nach Lübbecke, Wegholm und Kleinenbremen. Das Schienennetz wurde von 1924 bis 1957 etappenweise auf die Normalspur von 1,435 m umgestellt. Zwischen 1957 und 1999 wurden große Teile der Strecken stillgelegt, so dass heute noch ca. 40 km vom ehemals ca 80 km langen Schienennetz existieren.

Und: Der heutige Bahnhof Minden wurde 1848 als Endbahnhof der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft in Betrieb genommen. Zu dieser Zeit war der Stadtkern von Minden, auf dem linken Weserufer, eine preußische Festung. Wegen der Rayon-Bestimmungen, die die Nutzung der Gebiete im Umkreis von Festungen regelten, konnte der Bahnhof nicht innerhalb der Festung liegen, und entstand daher auf dem rechten Weserufer.  In den ersten Jahren, vor der Annexion des Königreichs Hannover 1866 durch das Königreich Preußen, wurde auch der Bahnhof durch zusätzliche Festungsmauern geschützt.

Der frühere Bahnhof Minden Oberstadt der Mindener Kreisbahn, nördlich der Innenstadt gelegen, ist heute ein Museumsbahnhof. Es existierte außerdem ein noch etwas stadtnäher gelegener Haltepunkt, Minden Stadt, nach dem heute noch eine Straße benannt ist, der Straßenabschnitt “Am Bahnhof Minden Stadt”, gelegen zwischen Goebenstraße und Fischerallee. Von diesem existiert noch ein Bahnhofsschild, zu sehen in der Ausstellung der Museums-Eisenbahn Minden e.V., wo auch Bahnuniformen, ein altes Stellwerk und sogar ganze historische Züge zu bewundern sind.

Es können dort auch monatlich stattfindende Fahrten mit einem Zug mit historischer Dampflok gebucht werden. In ihrer Geschichte hatte die Mindener Kreisbahn laut Wikipedia  über 402 Schienenfahrzeuge, 30 Dampflokomotiven, 10 Triebwagen, 16 Dieselloks, 52 Personen- und Packwagen, 138 schmalspurige Güterwagen, 96 Rollböcke und 60 normalspurige Güterwagen.

Zur Frühgeschichte der Bahnfahrt:
Ab 1835 fuhren in Deutschland erste Dampflokomotiven, nachdem es vorher im Ruhrgebiet bereits Pferdebahnen zum Transport von Kohle gegeben hatte. Nach der 1835 eingeweihten Bayerischen Ludwigsbahn von Nürnberg nach Fürth folgten 1838 die Berlin-Potsdamer Eisenbahn und die Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn, es folgten erste Fernstrecken.

“Am 15. Oktober 1847 wurde mit gleichzeitiger Eröffnung des letzten Abschnitts der Köln-Mindener Eisenbahn und des Mindener Astes der Hannöverschen Staatsbahn die erste durchgehende Schienenverbindung vom Rhein über Berlin bis an die Oder geknüpft. Die Route war jedoch komplizierter als heute: Die Verbindung von Braunschweig nach Magdeburg führte ab Juli 1843 über Wolfenbüttel, Jerxheim, Oschersleben nach Magdeburg. Der Zugverkehr aus Berlin endete bis zur Fertigstellung der Buckauer-Eisenbahnbrücke im Jahr 1848 an der Station Magdeburg-Friedrichstadt am östlichen Elbufer. Nach Überquerung der Elbe mussten die Fahrgäste im Bahnhof Schleinufer (Elbbahnhof), dem Endbahnhof der Strecke von Oschersleben, wieder zusteigen.” (Wikipedia, Geschichte der Eisenbahnen in Deutschland)

Im Vergleich zu einer Elbüberquerung beim Umsteigen ist der heutige Mindener Fußweg vom Bahnhof zur Innenstadt mit Überquerung der Weser möglicherweise dann doch nur “ein Spaziergang”.
Den Spaziergang zur Innenstadt haben sicherlich Generationen von Mindenern und Besuchern gemacht, sofern sie nicht die Droschke oder später die Straßenbahn benutzten, zunächst ab 1893 als Dampfstraßenbahn, ab 1920 dann als elektrische in Betrieb.

Weitere Informationen und Geschichten  zum Weserufer und den Mindener Bahnschienen, betrachtet aus der Sicht eines Ur-Mindeners, Philipp Hausdörffer, sind auch zu finden im Beitrag:
“Das vergessenen Ufer … will auch leben!”

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