- 4. April 1997
-
-
-
- T
- eure Freundin meiner Seele!
- Wenn ich mich auch noch so quäle:
- Hinter Wolken scheint die Sonne,
- Und auf Schmerzen folget Wonne.
-
- Durch das tief versumpfte Tal,
- Durch Bedrängnis ohne Wahl,
- Zu entgehen den Malaisen,
- Führt mich sanft mein bessres Wesen.
-
- Auf den Gipfeln meines Lebens
- Wohnt das Glück des frohen Gebens;
- In den Tiefen das Verlangen.
- Ach, wie töricht ist mein Bangen!
-
- Durch den Lärm der Schuldgefühle,
- Durch das Chaos im Gewühle
- Dringt Musik der reinsten Sphären,
- Lockt mich, endlich heimzukehren.
-
- Aber noch führt mich der Weg
- Über manchen schmalen Steg,
- Unter dem der Wildbach tost,
- Wo der Einsamkeit kein Trost.
-
- Bin ich dann am sichren Ende,
- Reib ich fröhlich meine Hände:
- Es ist wieder mir gelungen!
- Und in vielen neuen Zungen
-
- Preise ich mein hart Geschick,
- Freu mich auf ein neues Glück,
- Auf ein Lächeln, auf die Güte,
- Dass sie weiter mich behüte
-
- Vor Verzweiflung schlimmster Art.
- Ist der Stein auch noch so hart:
- Steter Tropfen höhlt ihn doch!
- Leben, Liebe lebet hoch!
-
-
-
-
-
- Gut und böse
-
-
-
- W
- as kümmerts den Kirschbaum,
- Wenn wir seine Blüten zertreten?
- Er hat ja so viele davon!
-
- Was schert es das Unkraut,
- Wenn wir es jäten?
- Morgen gibt es schon doppelt davon.
-
-
-
-
-
- Welt, du hast mich
- nicht verdient
-
-
-
- W
- elt, du hast mich nicht verdient
- meinst du seist durch mich bedient
- und zwar reichlich schlecht
- mir ist das jedoch nur recht
-
- zieh zurück mich in die klause
- und mach erst mal eine pause
- sollten wir uns wieder treffen
- bitte ich dich nicht zu kläffen
-
- sondern nur ganz lieb zu wedeln
- ich gehör nicht zu den blödeln
- die noch danke sagen wenn getreten
- will nur brav sein wenn gebeten
-
- ich sag ja auch bitte, danke
- welch ein herrlicher gedanke:
- du nimmst mich so wie bin
- und auch ich nehme dich hin
-
- wie der schöpfer dich geschaffen
- wir sind alle seine affen
- leben geistig noch auf bäumen
- und vergessen aufzuräumen
-
- was in unsern seelen plundert
- was in uns an dummheit tschundert
- welt, im grund hab ich dich gerne
- manchmal halt nur aus der ferne
-
- sehe ich jedoch ein kind
- ich das kind in mir schnell find
- und die kinder unter sich
- handeln klüger sicherlich
-
- als die hochbezahlten weisen
- welt ich will dich neu bereisen
- suchen stellen wo es schön
- bespielsweise in der rhön
-
-
-
- auch der nordpol würd mich locken
- wenn dort fallen seidge flocken
- und der dschungel: welche pracht
- wenn der ara lautstark lacht
-
- in die fjorde will ich tauchen
- mir den fuß auf sylt verstauchen
- in der südsee könnt ich finden
- menschen die noch ohne sünden
-
- all das kostete kein geld
- denn du bist mein weites feld
- bist es mir in diesem leben
- und danach wirds auch was geben
-
- selbst das nichts erschreckt mich nicht
- selbst das nichts erschreckt mich nicht
-
-
- am 4. märz des jahres 2004
-
-
-
-
-
- An Deinem reichgedeckten Tisch
-
-
-
- A
- n Deinem reichgedeckten Tisch
- Muss keiner Hunger leiden
- Da gibt es Fleisch, da gibt es Fisch
- Gedeckt ist er mit Seiden.
-
- Die Liebe ist daselbst der Koch
- Und Freundschaft dient als Ober
- Und gibts Probleme einmal doch
- Vergisst man rasch diesen Zinnober.
-
- Wer einmal saß an dieser Tafel
- Dem dünken andre öd und leer
- Dort herrscht statt Plauderton Geschwafel
- Und Güte gibt es dort nicht mehr.
-
- Gemüse schmeckt so blass und fade
- Der beste Wein wie Limonade
- Der Preis ist hoch er ist das Leben
- Mehr wird genommen als gegeben.
-
- Kehrn wir zum wahren Tisch zurück
- Finden ein Ende diese Leiden
- Hier herrschen Nachsicht, Frohsinn, Glück
- Und sanfter Wind spielt in den Weiden.
-
-
-
-
-
- Oft
-
-
-
- D
- es Mondes Phasen sind bedenklich
- Dazwischen ist der Mensch oft kränklich
- Den Grund dafür, den weiß ich nicht
- Doch schreib ich trotzdem dies Gedicht.
-
- Erklären uns die vielen Phasen
- Das Stehen, Rollen, Tuten, Blasen?
- Warum wir fröhlich oder sauer
- Und davon die jeweilge Dauer?
-
- So viele Bücher schrieb man schon
- Doch ich, was habe ich davon?
- Des Mondes Phasen sind bedenklich
- Dazwischen ist der Mensch oft kränklich.
- Fortsetzung folgt.
-
- Über den Autor
- Anton Weidinger wurde 1947 in Wien geboren. Nach Lehr- und Wanderjahren, die ihn über die USA, Japan, Korea, Frankreich und Italien nach Deutschland führten, arbeitete er zehn Jahre als Feuilleton-Redakteur und Theaterkritiker in Mörfelden-Walldorf und Aschaffenburg, wo er noch heute als freier Journalist lebt.
| |