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Gerd Fleischmann Vogelsang :: Das NS-Format |
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Schmitz-Ehmke, Ruth, mit Ergänzungen von Monika Herzog: |
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„Schön“ sagen viele, „eindrucksvoll“, die in der großartigen Eifellandschaft bei Schleiden stehen und von den Höhen auf der Heimbacher Seite über das Wasser der Urfttalsperre nach Süden blicken. „Schön“ mag auch der Verlag gedacht haben, als er das Titelfoto für das Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 41 ausgesucht hat — oder war es eine Vorgabe? Egal, die Macher spekulieren auch in der dritten Auflage (2008) mit „schön“. Vogelsang war als eine von drei, wenn man Wewelsburg als Stammsitz des neuen ‚Ordens’ dazu zählen will, vier ‚Ordensburgen’ und als Schulungszentrum für die Führungskader der NSDAP gedacht, neben Krössinsee und Sonthofen. Hier sollten ‚Junker’ ausgebildet — geformt, formiert, oder wie Festplatten in einem neuen Datensystem formatiert werden. Das gleiche geschah mit der vorher unbebauten Landschaft, die für die Sequenz der Bauten erst geschaffen werden musste. Alles folgte dem unerbittlichen Plan, wie er sich in den Fächern ‚Geopolitik’ und ‚Rassenlehre’ darstellte. Der Ort dieser Lehre sollte ‚Haus des Wissens’ heißen. Mehr als die Stützmauern für das Fundament und eine Betonrampe für den Hörsaal ist davon nicht fertig geworden. Das belgische Militär hat diese Bruchstücke dann unverändert zu Van Dooren, einer Kaserne ergänzt und die Rampe für einen Kinosaal benutzt, der jetzt in seiner ganzen Hässlichkeit unter Denkmalschutz steht. Von der fatalen Kontinuität ist bisher nicht die Rede. Das Foto auf dem Umschlag des Arbeitsheftes zeigt einen eher unbedeutenden Teil der NS-Schulungsanlage Vogelsang. Auf dem östlichen Turm des ehemaligen ‚Empfangshofes’ ist eine plump aufgerüstete Replik des Bamberger Reiters mit kräftigen Schatten zu sehen, steif hoch zu Ross, leichte Untersicht wie bei Leni Riefenstahl, mit Scheimpflug gerade gestellt, frisch gemähter Rasen, satt blauer Himmel. Mit ungebrochenem Stolz steht im Titel: DIE EHEMALIGE ORDENSBURG VOGELSANG, zwei Zeilen im Blocksatz. Es klingt wie ein gut katholisches Erbe. Und in der Tat: Der Architekt Clemens Klotz, der „beauftragte Architekt der Reichsleitung für die Errichtung der Schulungsbauten der NSDAP und der DAF” (1886—1969) hat im August 1953 seinen Entwurf geändert und an Stelle des Hakenkreuzes, das 1936 die Stirnwände des Glockenturmes „zierte”, in einem Schaubild des ehemals als ‚Hauses des Wissens’ geplanten Baus an der Spitze des seitlich angefügten Treppenturmes ein Christuskreuz gezeichnet. Der Titel des Buches verspricht Erbauung und gibt weder einen Eindruck von den Verwüstungen durch das NS-System noch durch die militärische Nutzung der Anlage und des umgebendes Geländes nach 1945. Schwarze Versalien in Helvetica auf blauem Grund — ohne jeden Zweifel und ohne jede Brechung. Ein Bild wie aus den besten Tagen. Eitel Freude und Schönheit. Ein Mitarbeiter des Forum Vogelsang, der einer Gruppe älterer Besucher die Anlage erklärte, nannte die Architektur „Heimatschutzstil“, ohne zu erwähnen, dass das lange vor den Nationalsozialisten Programm war. Besser wäre ‚Blut und Boden’ gewesen. Im Grunde finden viele Besucher die Bauten auch „irgendwie schön und anheimelnd“. Der unförmige Rest des ehemaligen ‚Adlerhofes’ als Zentrum des ‚Gemeinschaftshauses’ und jetzigen Besucherzentrums lädt dazu ein, auf die Terasse oberhalb des ehemaligen ‚Appellplatzes’ zu treten und den Blick über den Urftsee und die Eifelberge schweifen zu lassen ... Das Kürzel ‚NS’ vor ‚ORDENSBURG’ hätte leicht Klarheit schaffen können, wenn schon ein touristisches Bild für die Schutzwürdigkeit und die Absatzchancen stehen sollte. Alles sieht aber so aus, als wäre nichts passiert. Der Denkmalschutz gibt sich unpolitisch, ist dann aber auch nicht ganz ehrlich. Das prägnanteste (und wohl einzigartige und bei der Entnazifizierung übersehene) Hakenkreuz im Fußboden des ‚Kultraumes’ im Turm der Anlage wird nicht abgebildet. Wanderer sehen in dem Turm eher einen Aussichtsturm. Das Innere interessiert sie nicht. Wie geht man mit diesem ‚Erbe’ um, wie soll man damit umgehen |
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Turm innen, Wand |
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Google Earth, „Burg Vogelsang, Kameradschafstshäuser“ |
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Sind nicht die Rampen der belgischen Panzerwaschanlage oder die Übungshäuser für den Nahkampf dort, wo einst das Dorf Wollseifen stand, bessere Bilder für die Verbrechen, die in den NS-Bauten stecken — auch in einer durch die „bundesdeutschen Denkmalschutzgesetze [ausdrücklich legitimierten] fachwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem architektonischen Erbe auch unsereres Jahrhunderts“, wie der Herausgeber, Landeskonservator Prof. Dr. Udo Mainzer 1988 schreibt? Oder ist diese Übersetzung zuviel verlangt von der Wissenschaft und den Wanderern? Und wenn, wäre nicht das Hakenkreuz im Turm ein stärkeres, forderndes Bild? Und auf der Rückseite des Umschlages nicht das Bild der ehemaligen ‚Kameradschaftshäuser’ nach dem Muster einer Ferienanlage, sondern die Reste der Kletteranlage in dem ehemaligen ‚Kultraum’, der chapelle, wie die Belgier den Raum nannten, mit den Ankerlöchern der ursprünglichen Ausstattung? Bei der Anfahrt zu der Anlage Vogelsang stehen sich am Straßenrand in Herhahn zwei kistenförmige Buswartehäuschen in der gleichen Bruchsteinmanier (Grauwacke) gegenüber, die in ihrer Form und ihrer Ausrichtung wie ein Hinweis auf die Ordnung der NS-Anlage wirken. In der Mitte der Einfahrt zu Vogelsang steht ein Kontrollhäuschen, das auf den ehemaligen Truppenübungsplatz verweist. Der Eingang zu der NS-Anlage und der Turm, der auf dem Buchtitel zu sehen ist, kommen später. Auf den Panoramio-Bildern in Google Earth wird dann einfach von „Burg Vogelsang“ gesprochen. Die Anlage ist übersät mit blauen Bildpunkten. Auf einem der Fotos mit der nicht ganz zutreffenden Bezeichnung „Burg Vogelsang Kameradschafstshäuser“ werden in ‚schöner’ Untersicht zwei ehemalige ‚Kameradschaftshäuser’ mit dem Westflügel des ‚Gemeinschaftshauses’ leicht romantisch in der Abendsonne vorgestellt. Urlaub. Der Verlag hat Recht. Vogelsang ist schön. Zumindest so lange, wie man den Verstand zu Hause lässt.
2008-05-22 (Fronleichnam) PS „... kann ich nur zu gut nachvollziehen, wundern tut mich die Haltung des offiziellen Denkmalschutzes allerdings nicht. Ich habe in anderem Zusammenhang ebenfalls mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege zu tun, und auch hier wurde die NS-Vergangenheit eines Gebäudes (NSV[Nationalsozialistische Volkswohlfahrt]-Gauschule!) relativ desinteressiert abgetan, um umso stärker auf den spätbarocken (aber völlig unspektakulären und wohl eher belanglosen) Ursprung abzuheben. Auch in diesem Fall gab es [...] eine belgische ‚Nachnutzung’ als Gymnasium. Nicht nur die Lehrer und Schüler, sondern auch die belgische Königin herself haben bis in die späten 1990er Jahre unter gigantisch-schwülstigen Holzkandelabern mit Zitaten aus Mein Kampf lecker gespeist. Geschichten gibt es ...“ Dr. Martin Rüther, 2008-05-26 |
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