Der Drucker an der Kurbel dreht…

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Einer der Redakteure des vm2000.net hat bereits in sehr jungen Jahren bei einem Zeitungsprojekt mitgearbeitet. Der “Komet” ist gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte aus den Jahren 1951 und 52.

Auch die Photokina gab es zu dieser Zeit schon, wie man in einem der Beiträge lesen kann (allerdings noch nicht sehr lange, die erste Photokina fand 1950 statt).

Des weiteren gab es schon Photoautomaten, aus denen zum Preis von 2 Mark ein Film gezogen werden konnte (So sie denn tatsächlich einen Film wie vorgesehen ausgaben. In der Anekdote im Komet ist das nicht der Fall).

Vervielfältigt wurde der Komet, indem der “Drucker an der Kurbel dreht”.

 

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Hellmut Grau

Auszug aus “Schullandheim Winterberg” zum Thema “Komet”

Mein Bett stand im Kleinen Schlafsaal. Im übrigen war dieser Raum hauptsächlich von Mitgliedern der „Redaktion“ belegt. Die Redaktion war ein erstaunliches Phänomen, auf das ich näher eingehen muss. Es handelte sich um die Herausgeber und Mitarbeiter des „Komet“, einer „Zeitschrift für Kultur, Wissenschaft und Unterhaltung“. Dieses Gestirn war vor drei viertel Jahren von Lutz, einem künstlerisch begabten Klassenkameraden, ins Leben gerufen worden. Die Redaktion war hauptsächlich in meiner Klasse beheimatet, wo sie eine intellektuelle Clique bildete, hatte aber auch gelegentliche Mitarbeiter aus der Parallelklasse. Der innere Kreis bestand aus Lutz als „Chefredakteur“, Gernot als „Verleger“ sowie aus Dieter, Fred und Jörg. Die beiden letzteren bildeten übrigens wieder ein Team für sich. Sie waren so unzertrennlich, dass sie sogar einen gemeinsamen Spitznamen – „die Boys“  – hatten.

Zum weiteren Kreis der Redaktion konnten auch noch Eule und ich uns zählen; wir waren allerdings nur technische Mitarbeiter, wenn man davon absieht, dass ich einmal einen Aufsatz über meine Schildkröte beitrug. Hin und wieder wurden auch noch weitere Mitarbeiter gewonnen, aber ansonsten machte die Redaktion fast alles selber: Sie schrieb die Beiträge, tippte sie auf Matrizen, entwarf und vervielfältigte das Titelblatt und vertrieb die Zeitung. Nur das Abziehen der Matrizen wurde in Auftrag gegeben. Bezieher waren hauptsächlich die Eltern und Bekannten der Redaktionsmitglieder.

Der Inhalt des “Komet” war harmlos. Er bestand hauptsächlich aus kleinen Geschichten wie „Das Leben in der Gartenerde“ oder „Erlebnisse in einem Salzbergwerk“ und aus geklauten Anekdoten, Witzen und Rätseln. Das Beste war vielleicht das Titelblatt, zu dem die grafisch talentierten Boys schmissige Entwürfe lieferten, und bei dem verschiedene Techniken wie Linolschnitt oder Schablone mit Sprühflasche angewendet wurden. Bei manchen Techniken war die Vervielfältigung allerdings so aufwendig, dass eine einzige Nummer drei bis vier Mann einen ganzen Abend kostete. Daher war es neben der Kostenfrage – wir konnten nicht gut mehr als 25 Pf für eine Nummer nehmen – vor allem der Zeitaufwand, der noch im Sommer dieses Jahres zum Untergang des “Komet” führen sollte. Immerhin ist er aber ein Jahr lang jeden Monat erschienen und stellte für Untersekundaner – bis vor kurzem sogar noch Obertertianer – eine bemerkenswerte selbständige Leistung dar.

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Komet Redaktionssitzung

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(zum Vergrößern bitte Anklicken)

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Wer nach diesem kurzen Einblick noch weiter in den “Komet”-Ausgaben blättern möchte, kann ein Buch bestellen oder online anschauen unter

http://www.blurb.de/b/7052247-der-komet-eine-zeitung-von-uns-1951-als-sch-ler-mi

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