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Markus Redert

Der alte Hühnerstall oder hier gibt es keine Eier mehr

Ich gehe durch den leeren Hühnerstall. Früher gackerten hier hunderte Hühner durcheinander. Die Luft roch streng nach Hühnermist. Sie waren zusammen gepferscht, 3 Stück auf einen Käfig der 50 auf 50 auf 50 cm war. Quälerei. Als Kind dachte ich mir nichts dabei. Es war der Hühnerstall auf dem Hof meiner Eltern, da war das eben so. Meine Aufgabe war es, die Hühner zu füttern und die Eier einzusammeln. Es war keine große Hühnerbatterie (was für ein Ausdruck...). Große Betriebe halten hunderttausende Hühner.
Jahre später, die Batterie war schon verkleinert, wurde mein Vater krank. Wir versuchten Mutter zu überreden, die Hühner aufzugeben, aber sie weigerte sich, obwohl die Arbeit kaum zu schaffen war. Sie ging gerne die Eier nach Nastätten verkaufen, hatte wohl Angst die langjährigen Kontakte zu den Kunden zu verlieren, denn auf dem Dorf fühlte sie sich isoliert. Aber es kam anders. In einer Nacht kam ein Marder und biß dutzende Hühner tot. Die restlichen kamen auf einen Hühnerhof in der Nachbarschaft. Welch eine Ironie, diese Hühner, die nie Tageslicht gesehen hatten, und immer im engen Käfig zugebracht hatten, bekamen nun einen geräumigen Stall, eine große Wiese zum Scharren und Herumlaufen und Picken. Am Anfang wußten sie mit ihrer neuen Freiheit nichts anzufangen, blieben im Stall sitzen. Später haben sie sich daran gewöhnt.
Gehe ich heute durch den Stall, ist alles still. Staub und Spinnweben haben sich überall niedergelassen. Es ist ein gespenstischer und unwirklicher Ort. Nur die Mäuse sind hier nie ausgezogen. Und in meiner Erinnerung bin ich wieder der Junge, der hier die Hühner fütterte und die Eier einsammelte.

 

 

Kein Ei aus Käfighaltung! (Anm. d. Red.)
http://www.tierschutzbund.de/00234.html
http://berlin.nabu.de/m06/m06_06
http://www.provieh.de/s2954.html