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Jörg Boström Von der Notwendigkeit der Kunst - für Hans Georg Assmann Sie ist schwer zu ertragen diese Sache, mit der wir es zu tun haben. Ich meine unser Leben im einzelnen und allgemeinen, schwer zu ertragen ohne Kunst. Die meisten Menschen brauchen sie zur Erweiterung ihres Alltags, als Bereicherung. Die Künstler können nicht leben ohne sie. Von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins spricht Milan Kundera in seinem so betitelten Roman. Er schreibt dagegen an, gegen die Leichtigkeit, gegen die Unerträglichkeit. Wir haben es bei dem Künstler Assmann mit der Bilderwelt, mit den Sensationen des Sehens zu tun. Um nicht unterzugehn in dem Gestrüpp des Kausalen, des Banalen, der Frühstücksprobleme, dem Picken um die Hackordnung, dem Feilschen um die Varianten der Soße aus einer immer gleichen Küche, wehrt sich der Künstler mit Stiften und Pinseln, mit Kugelschreibern und Zeichenfedern, mit Lack, Öl und Acryl, mit gestischer Malerei und Suggestionen. Auf großen Flächen, auf rauen Papieren, bildet er die zerstrichelten Flächen und sich auflösenden Figuren, die Farbsplitter und Lineamente seines tonlosen Widerspruchs. Außer denen, die selbst dieser Sucht verfallen sind, sich in Bildern darzustellen, zu spiegeln und zu verformen, hält jeder die Produkte dieses Tuns für Verschönerung, für Bereicherung, Vertiefung, für uns ist es das Leben selbst. Malerei sagt Picasso, ist nicht erfunden worden, um die Wände zu schmücken, sondern als Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind. Welchen Feind? Niemand bedroht uns ernsthaft, nur die Banalität, die Sucht der Selbstzerstöhrung und der Tod. | |
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"Fallrückzieher" | |
Dieses Tun auf Leinwänden und Papieren, das sich in Ausstellungen und Katalogen eine bürgerliche, ordentlich eingefügte Form gibt, die sich durch Verkäufe und Stipendien fortpflanzt und sich so in eine täuschende Zweckbestimmung einmogelt, es existiert in Wahrheit nur aus sich und für sich selbst. Kunst gehört zu unseren elementarsten Äußerungen. Man erkennt in der Geschichte die Geburtsstunde des menschlichen Bewußtseins in den Malereien der Höhlen von Lascaux und Chauvet, in den gezeichneten Jägern und Tieren, in den Schwimmerbilder unter dem Boden der Wüste Sahara. | |
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"Bein-Stück" | |
Jeder Strich, jeder Farbauftag auf der Fläche, geht durch Nerven und Muskulatur. So ist es nicht verwunderlich, dass der Körper, die Figur, die physische Empfindung des Selbst immer wieder zum teils offensichtlichen, teils verschlüsselten Inhalt der Bilder wird, selbst da wo diese sich in freien Formen auf der Leinwand entwickeln. | |
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"Fruechen" | |
Insofern ist seine Kunst auch ein Stück weit Indiskretion, Überschreiten der Grenzen von Intimsphären zwischen Gestalter und Betrachter. | |
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"Drachentöter" | |
Für den Psychologen Leo Navratil ist das menschliche Gesicht als Urerfahrung des ersten Blickes auf die Welt die stärkste Vision in der Deutung des Unbestimmten, weiterhin sieht er darin Anthropomorphes, Körperformen in unheimlicher, fantastischer und sexueller Formation. Fast zeitgleich mit den Surrealisten entdeckt im Behn-Rorschach Test die Psychologie die Bedeutung der Ausdeutung nicht festgelegter Bilder. Die Tafeln mit sorgfältig getesteten Klecksbildern dienen der Analyse gutwilliger Patienten und werden zeitweilig als Grundlage für Einstellungsgespräche mißbraucht. | |
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"ATOLL 05" | |
Die Arbeit mit wuchernden Strichen, den Verletzungen und dem emphatischen Streicheln der Oberflächen, dem Fließenden, noch unbestimmten Figurieren, dem allmählich sich Formenden vermittelt ein immer wieder faszinierendes Erlebnis, wenn man sich mit und neben dem Künstler darauf einlässt, es führt zu einer Offenheit und unbefangenen Intimität der Bildsprache, welche an die Grenzen der Person führen kann, an die Haut und gelegentlich unter sie. | |
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"Alles ist Rand" | |
Pythia, die Seherin des delphischen Orakels, pflegte ihre dunklen Zukunftsverse unter dem Einfluß von Dämpfen den ängstlichen Pilgern mitzuteilen. Herford, 30.6.1999 | |
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