Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Annette Bültmann
 
Kornkreise
 
Die Rasenmäherzeichnungen von Ralf Witthaus im Bürgerpark in Bielefeld sind im Oktober fertig geworden und am 8.10. fand dort die Eröffnung statt.
Wenn man sich den Gebilden nähert, verspürt man den Wunsch, sich in die Luft zu erheben und sie von oben zu betrachten. Für welches Publikum erschafft Ralf Witthaus diese Kunstwerke im Rasen, für fliegende Tiere, Flugzeugpiloten, oder gar für Außerirdische?
Ralf Witthaus interessiert, wie er mir gemailt hat, die Ameisenperspektive. Unsere begrenzte, durch unsere Größe, nicht die des Raumschiffs und Flugzeugs, das was wir wirklich sind und zu überblicken vermögen. Vielleicht befinden wir uns in einem Termitenhügel und sehen die größeren Zusammenhänge meist nicht, und seine Rasenbilder sind ein Versuch, sich über das Ameisendasein zu erheben.
Sie erinnern auch an Kornkreise, die ja vielleicht, wer weiß, von Außerirdischen angelegt werden, aber zu welchem Zweck? Wollen sie uns etwas mitteilen, oder sind es außerirdische Witzbolde, denen es Spaß macht, Unfug zu treiben? Haben zum Beispiel Außerirdische auch eine Pubertät oder etwas Entsprechendes? Vorstellbar wäre das schon, vorausgesetzt, sie haben auch eine Fortpflanzung und Entwicklung, wichtige Merkmale zumindest des irdischen Lebens.

Dann könnte man sich vorstellen, dass außerirdische Jugendliche in einem Raumschiff eine Party feiern, und währenddessen, um sich zu amüsieren, gegen die Empfehlungen der Intergalaktischen Tourismusbehörde verstoßen. Von denen wird eigentlich empfohlen, den Planeten Erde zur Zeit nicht anzufliegen, weil das bei Teilen der noch relativ primitiven Bevölkerung, die aber bereits eine eigene Technologie entwickelt hat, regelmäßig Panik auslöst, und weil die Haltung dieser Bewohner gegenüber Touristen von anderen Planeten nicht unbedingt freundlich wäre...

Das Party-Raumschiff fliegt die Erde aber trotzdem an, denn diese Weltraumkids haben das Spiel entwickelt, auf bei Parties besuchten Planeten mehr oder weniger kunstvolle Gebilde in abgelegenen Kornfeldern zu erzeugen. Man möchte ja den daheim gebliebenen Freunden dokumentieren können, wo man gewesen ist, und die Bewohner der jeweiligen Planeten nebenbei ein bisschen irritieren, die Reaktionen der Primitiven sind immer wieder aufs Neue ein besonderes Vergnügen...
Auf Bildern, die in meiner Vorstellung entstehen, brennt das über dem Feld schwebende Raumschiff gerade einen Kornkreis mit Hilfe von gesteuerten Ionenplasmawirbeln.

Eine andere Möglichkeit wäre aber auch die Erstellung der Phänomene mit einer Art "Fernbedienung", ohne wirklich den Planeten zu besuchen, fern gesteuerte Energie, und der Zweck, so etwas wie ein Computerspiel, Geschicklichkeitsübungen, Neugier, Spieltrieb? Extraterrestrische Kids sitzen an ihren Konsolen, haben den Planeten als Spielfeld aufgeteilt, und brennen um die Wette Kornkreise, was das Zeug hält? Für diese Theorie spräche, dass europäische Kornkreise etwas anders beschaffen sein sollen als europäische, was für zwei verschiedene "Mannschaften" spräche, die auf den jeweiligen Kontinenten leicht unterschiedliche Techniken anwenden.
Die "echten" Kornkreise (es gibt inzwischen auch von irdischen Teams, deren Seiten man im Netz besuchen kann, imitierte, Links siehe unten) sind sehr geschickt angelegt, das Korn wird nicht abgemäht, sondern auf bisher nicht ganz verständliche Weise gebogen, und kann so sogar weiterwachsen.

Den Versuch, das Kornkreis-Geheimnis zu lüften, machten auch Biophysiker, die die Wachstumsknoten der gebogenen Kornhalme untersuchten, und dabei vergrößerte Zellwand-Tüpfel feststellten, außerdem war die Länge und Dicke der Wachstumsknoten verändert, und es gab um 10 bis 90 Grad verbogene Wachstumsknoten.
Wachstumsknoten, auch Nodien genannt, sind Vegetationspunkte, die aus embryonalen Pflanzenzellen bestehen, sie ermöglichen späteres Wachstum oder neue Austriebe. Sie befinden sich jeweils in bestimmten Abständen an Stämmen, Zweigen, Halmen und bleiben oft zunächst ungenutzt. Beim Rückschnitt von Pflanzen in Gärten z.B., oder auch beim Abbrechen von Pflanzenteilen in der Wildnis, entstehen aus diesen Bereichen die neuen Triebe, z.B. auch neue Blätter in den früheren Blattachseln.
Die Pflanzen in einem Kornkreis können weiterwachsen, bisher gibt es aber keine eindeutigen Ergebnisse beim Versuch der Erklärung des Verhaltens der Wachstumsknoten, denn üblicherweise können sie das Gegenteil bewirken, sie können eine Verdickung ausbilden und dadurch flachgedrücktes Korn wieder aufrichten. Warum sie in diesem Falle das Korn stattdessen in die Waagerechte biegen, bleibt rätselhaft. Rätselhaft ist bisher auch der Einfluss des Phänomens auf die Samen, manche keimten garnicht, manche keimten, wuchsen aber nicht normal, und manche wuchsen kräftiger und schneller.
In einem Kornkreis wurde meteoritisches Eisen gefunden.
Ob das extraterrestrische Raumschiff, bevor es den Kornkreis brannte, durch einen Meteoritenschwarm geflogen ist, dabei einige Meteoriten verdampft hat, wobei ein paar Rückstände übrigblieben?
Inzwischen gibt es geschickte menschliche Kornkreis-Imitatoren, aber das ursprüngliche Phänomen bleibt nach wie vor rätselhaft. Von Kornkreisforschern und Imitatoren wurden über den Feldern schwebende Lichtkugeln beschrieben, auch wolkenähnliche Lichterscheinungen, die ihre Form verändern können, die sich über den Feldern bewegen und aus den Kornkreisen aufwärts steigen, es wurde auch schon beobachtet, wie sich eine Lichtwolke zu einem großen rechteckigen Lichtkörper umformte, um sich später wieder in die Wolkenform zurückzuverwandeln und sich aufzulösen. Mehrmals wurde berichtet, dass sie die Lichtphänomene auf die Beobachter zubewegen, solange bis diese die Flucht ergreifen, um dann zu stoppen, also eine Art Interaktion mit den Beobachtern. Deshalb wird manchmal die Frage gestellt, ob es sich bei den Lichterscheinungen um Halluzinationen der Beobachter handelt, andere Autoren wiederum halten sie für Projektionen aus einer höheren Dimension oder für Manifestation aus dem kollektiven Unbewussten.
 
 
Links:  1  2  3  4  5