Zum InhaltsverzeichnisVirtuelles Magazin 2000 

Anton Weidinger

 

100 Unnütze Gedanken

Teil 3: 50 - 75

 

61. Angeblich soll die Haarfarbe Blond weltweit nach und nach aussterben. Welch ein Verlust! Für mich ist das, als ob die Sonne unterginge, um nie wieder aufzugehen. Aber keine Bange! Inzwischen wird schon wieder dementiert.

62. Das unerreichbare Ideal: Vollkommenheit im Fragment.

63. Die Schalksnarren vom Schlage des Eulenspiegel sind nicht ausgestorben. Ihr König heute heißt Christoph Schlingensief. Die heiligen Toren aber sind mit dem Untergang flächendeckender Religiosität untergegangen.

64. "Also, wenn Sie mich fragen ..." Ich frage Sie aber nicht.

65. Zu den genialen ÜbersetzerInnen unserer Zeit gehört Frau Dr. Erika Fuchs. Ihr verdanken bald drei Generationen die vertrackte Sprache von Donald Duck und Konsorten. Auch dem Opernfreund hat sie einen unvergesslichen Begriff geschenkt: Die Hexe Gundel Gaukeley aus dem Sagenkreis um Onkel Dagobert nennt ihre Zaubervögel "Schabracken-schriller". Und davon gab und gibt es unter den Sopranistinnen mehr als eine.

66. Das tenorale Gegenstück zum "Schabrackenschriller" ist der "Krawattltenor". Singt die Dame zu laut, singt er zu leise.

67. Die liebenswerte Louise Martini kam in ihren unvergesslichen Tagen als Moderatorin des österreichischen Rundfunks mit einem Kalauer über den Äther, für den sie sich aber sofort entschuldigt hat: "Was zieht das Licht an, wenn es ausgeht."

68. Zu den grausamsten Pointen von Wolfgang Bauers Bühnenstück Change gehört der Ausruf der Mutter, als die Tochter à la Ibsen die Lügen ihrer reichlich verkommenen Familie mit tödlichen Folgen entlarvt: "Einmal möcht’ ich so blöd sein wie du!"

69. Meine geschätzte Therapeutin Frau Dr. U. G. aus M. besteht darauf, in diesem Bändchen vorzukommen. Allerdings fällt mir nichts Böses über sie ein. Und das ist eigentlich das größte Kompliment, das ich jemandem zollen kann.

70. Zu den besonders makaberen Bemerkungen trauernder Hinterbliebenen gehört: "Und dass er ausgerechnet kurz vor Weihnachten sterben musste!" Wär’s zu einer anderen Zeit passender gewesen?

71. Mögen Sie elegante Menschen? Beim Durchblättern der Klatschmagazine fallen mir aber immer häufiger Gestalten auf, die Katja Mann, die stolze Gattin eines Nobelpreisträgers war, schlicht und politisch unkorrekt als "Abhub" bezeichnet hätte.

72. Sie stammte aus 63584 Gründau-Lieblos. Er aus 63589 Linsengericht. Sie verlebte eine Jugend ohne jederlei wärmende Zuneigung. Und er verkaufte sein Erstgeburtsrecht für eine warme Mahlzeit.

73. Ein alter Herr aus einem der Kronländer der k.u.k. Monarchie erzählte mir einst, dass er nur auf das Klingeln seiner Türglocke reagiere, wenn sie im Takt des Beginns der Ouvertüre zur Zauberflöte gedrückt werde. Das nenne ich praktisch angewandte Kultiviertheit!

74. Warum verbirgt sich eine oft so erschreckende Ernsthaftigkeit hinter der Façade spöttischer Aufgeräumtheit?

75. Wenn jemand vor mir auf einem engen Bürgersteig so einhergeht, dass er nicht zu überholen ist, frage ich mich, ist das nun ein selbstbewusster Mensch ist oder neigt er nur zur Rücksichtslosigkeit, was ja bedeutet, dass er nach vorne, nicht aber hinter sich zu blicken pflegt.

 

Fortsetzung folgt