| - Die Saatchi Collection zeigt alle wichtigen Werke junger Britischer Künstler die in den 90er Jahren für Aufruhr sorgten. Subjektiv gesehen wirken viele Exponate durch Tabuthemen und die stark nach außen präsentierte Sexualität. Ein Thema das sich schnell abnutzt und in England sicher tabuisierter ist als bei uns. Wenn Tracey Emin hier den Namen ihrer Liebhaber in einem Zelt verewigt hätte, wäre das Aufsehen geringer gewesen. Das Kunstobjekt von dem ich rede trägt den Titel "Everyone I Have Ever Slept With 1963-95". Es zeigt ein mit dem Namen ihrer Liebhaber besticktem Zelt. Über diese ungewollte Popularität zeigte sich im übrigen besonders Billy Childish (ebenfalls Künstler) nicht erfreut und macht seitdem seinem Unmut freien Lauf. Trotz der medialen Aufmerksamkeit, die ablenkt, interessierte mich die Installation sehr. Geheimnisse sind ein Wesen der Kunst. Die inflationäre Preisgabe von Persönlichem im Fernsehen ist banal. Ich hätte gerne überprüft welchen Eindruck diese Arbeit, unter dem Aspekt von Intimität, bei mir hinterlassen hätte. Als ich hörte das ausgerechnet sie zu denjenigen zählt, die beim Brand im Lager vernichtet wurden, fand ich es sehr schade. Das Werk war ja noch so jung! Im allgemeinen wird dem Künstler durch den Ankauf einer Arbeit ein Stückchen Unsterblichkeit verliehen. Ironie des Schicksals wenn es dann gerade dort vernichtet wird. 7
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- Ich hatte von diesem Feuer gehört das vor wenigen Monaten im Ostlondoner Lagerhaus über 100 dort aufbewahrter Kunstobjekte vernichtet hat, darunter vieles von dem was der Sammler, Mäzen und PR-Millionär Charles Saatchi der Firma Momart zur Lagerung überlassen hatte. Ein Kritiker äußerte sich zynisch als er das Feuer mit dem Rock'n'Roll-Mythos des frühen Todes verglich, auf dem die besten Legenden gedeihen. Außerdem, diene die ganze Tragödie dem Nachlass der BritArt ja, indem die dadurch erhöhte Rarität der überlebenden Werke deren Wert umso mehr steigert.
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- Die mediale Häme, die diesen Verlust begleitete, kam zwar nicht ganz überraschend, doch sehr unverschämt daher. In den Tagen nach der Brandkatastrophe äußerte sich Tracey Emin. Erstens, dass das Schicksal derer, die dieser Tage in den Kriegen der Welt umkommen, sie weit mehr berühre. Zweitens sei es ein Glück, dass keine Person dabei zu Schaden gekommen wäre. Und drittens, über den Spott der Öffentlichkeit: "It is just not fair and it's not funny and it's not polite and it's bad manners."
- Ungewöhnlich hingegen die Reaktion der Chapman Brothers: Auch wenn sie keine Lust dazu haben und die Arbeit am Original neun Monate dauerte, wollen sie "Hell" von Grund auf neu schaffen. "Wir werden es einfach noch mal machen. Schließlich ist es bloß Kunst."
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