Fahrten mit den Meteoren – Teil 2

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Interview des vm2000.net mit Jörg Boström

 

 

 

Ihr wart ja mit der Pfadfindergruppe auch in England, und seid bis Schottland gefahren, seid Ihr da in Südengland angekommen, und habt dann von Süden nach Norden ganz England durchquert?

Ja, wir haben getrampt, wie wir das damals genannt haben, am Straßenrand stehen, und Daumen hoch. Und dann haben die freundlichen Engländer uns vielfach gefahren, die Platz im Auto hatten. Als Tramptour, wie wir das genannt haben, durch England, wir hatten ja kein Geld, wir konnten ja nicht den Zug oder sowas bezahlen. Wir haben alles per Tramp gemacht, als Pfadfinder. Und da wir Pfadfinder waren in Pfadfinderuniform, waren die Engländer auch sehr freundlich, weil die selber Scouts eben entwickelt und geschätzt haben, die englischen Scouts, so heißen dort Pfadfinder, ne.

D.h. Ihr habt da ganz gut Land und Leute kennengelernt?

Genau. Da haben wir uns auch auch auf Englisch verständigt. Konnten wir, und haben dabei ziemlich viel Englische Sprache geübt.

Und die haben Euch sicher auch sofort als Pfadfinder erkannt, weil die Uniformen in England ähnlich sind.

Das war ein Stück Anerkennung, wir hatten ja Pfadfinderuniformen.

Das kann ich mir sogar vorstellen, dass die Leute lieber Pfadfinder mitnehmen, als Leute die sie nicht so ganz einordnen können.

Ja, ja.

Da konntet Ihr aber wahrscheinlich dann nicht als ganze Truppe fahren, sondern musstet Euch aufteilen?

Zu zweit.

Dann meistens zu zweit in einem Auto, und Ihr hattet dann Treffpunkte, wo Ihr Euch wiedergetroffen habt?

Ja. Tramptour eben.

Da sieht man bestimmt viel vom Land?

Ja, und man wird auch richtig durch das Land geführt, und durch Erzählen kriegt man auch Einiges mehr mit, als wenn man selber mit dem Auto fahren würde. 

Das glaube ich auch gerne. Ihr hattet aber vorher eine Station festgelegt, wo Ihr Euch wiedertreffen würdet?

Jaja, doch doch, das haben wir schon.

Wir sind immer zu zweit getrampt, alleine nicht, also zu zweit. Und dann gab es mehrere Gruppen, Zweiergruppen, die sich dann getroffen haben, an den festgelegten Orten.

Dann habt Ihr Euch am festgelegten Ort z.B. auf dem Marktplatz oder am Ortseingang getroffen?

Ja, Bahnhof.

Ach ja, Bahnhof, natürlich. Stimmt, das ist ja immer ein Treffpunkt auch wenn man sonst den Ort nicht so gut kennt. Also ich finde, das ist schon eine abenteuerliche Reise.

Ja, haben wir auch so empfunden.

Ihr wurdet, laut einem Zeitungsausschnitt, in Edinburgh empfangen von einem Councillor P.Rogan. Dieser Empfang war 1955 und ist damit ja über 60 Jahre her, erinnerst Du Dich trotzdem noch daran?

Nee, jetzt nicht mehr. Da muss ich mir schon den Zeitungsausschnitt angucken, aber da kann ich mich nicht dran erinnern. Aber wir haben eben dadurch auch sehr viel Englisch geübt. Als wir zurück in der Schule waren, haben die Lehrer gestaunt, wie gut wir Englisch konnten.

Ja klar, das ist natürlich ein gutes Sprach-Training. Ich habe mal gehört, man fängt sogar irgendwann an auf Englisch zu denken, wenn man sich da längere Zeit aufhält.

Das kann sein, ja.

Habt Ihr, abgesehen vom Trampen, noch andere Fortbewegungsmittel benutzt, wie velleicht mal ein Schiff um mal irgendwo überzusetzen?

Ja, wir mussten ja ein Schiff nehmen, England ist ja schließlich eine Insel, ne.

Ach stimmt, Ihr musstet ja ein Schiff nehmen, um überhaupt dahin zu kommen.

Über den Kanal, den Ärmelkanal.

Abgesehen von der Überfahrt nach England brauchtet Ihr dann aber nicht unbedingt weiter ein Schiff zu nehmen, obwohl es glaube ich auch einige Kanäle und einige Schifffahrt gibt in England.

Ja, aber wir sind sonst mehr über Land gefahren.

Hmhm. Ihr hattet wahrscheinlich ja gehört oder gelesen von dem Gründer der Pfadfinderbewegung, dem britischen General Robert Baden-Powell?

Ja, sicher. Ja, die war ja in England erfunden worden. Mit dem Robert Baden-Powell.

Der beschreibt in seinen Büchern auch Übungen für Scouts, ich weiß nicht ob die früher bei den Pfadfindern allgemein üblich waren, solche Übungen, bei Pfadfindern allgemein üblich waren, solche Übungen wie Karten lesen, und sich im Gelände orientieren, Spuren suchen und Anschleichen? 

Ach ja, wir haben schon so ein paar Landschaftsspiele gemacht, auch mit Zeltlagern, ne.

Landschaftsspiele, also z.B. sowas wie Schnitzeljagd?

Nee, wie Zelten.

Aber Ihr habt nicht unbedingt Übungen in Anschleichen gemacht?

Nicht unbedingt, nee.

Habt Ihr dort  britische Pfadfindergruppen getroffen?

Du das weiß ich nicht mehr, aber ich glaube schon. Es gibt ja ein paar Fotos von englischen Pfadfindertruppen. Die haben wir wohl kurzfristig auch besucht, in Zelten.

Ich glaube dann hast Du noch nicht alle Fotos ins Netz gestellt.

Wahrscheinlich nicht.

Dass Ihr dort unterwegs Englisch gelernt habt, ist etwas das auch Baden-Powell empfohlen hätte. Er empfiehlt in einem seiner Bücher „try and pick up sufficient of the language of the country to ask your way“ also, versuche genug von der Landessprache aufzuschnappen um nach dem Weg zu fragen“, das ist Euch sicher gelungen?

Ja.

Ganz offensichtlich ist Euch das gelungen, denn Ihr seid ja alle immer da angekommen, wo Ihr ankommen wolltet.

Genau. Genau.

Es sind alle an den Treffpunkten angekommen, an denen sie ankommen sollten.

Ja, im allgemeinen ja, soweit ich mich erinnern kann, hat das ganz gut geklappt. Die Engländer sind ja sehr pfadfinderfreundlich, und haben uns als Tramper gerne mitgenommen. Die Scouts haben ja in England eine Tradition. Und insofern waren wir als Scouts ja auch immer wieder willkommen.

Das kann ich mir schon vorstellen, dass man da als Scout willkommen ist. Das ist eine erfreuliche Sache, auch die Kontakte zu anderen Ländern, die durch die Pfadfinder stattfinden können. Ich habe auch gelesen, es gab schonmal Weltpfadfindertreffen, auch mal in England, aber auch an vielen anderen Orten.

Das war zu der Zeit nicht so, aber wir haben uns natürlich mit den Pfadfindern in Schottland auch treffen können. Die haben sich auch gefreut, dass aus Deutschland mal Pfadfinderbesuch da war.

Es gibt in Pfadfinderhandbüchern auch Empfehlungen, z.B. bestimmte Sportarten zu betreiben, oder aufrecht zu sitzen, die Umgebung genau zu beobachten, Nachrichten auswendig zu lernen u.Ä., habt Ihr sowas auch versucht? 

Hehe. Nein.

Ihr wart von Natur aus sportlich genug, indem Ihr gecampt habt und Eure Zelt aufgebaut habt?

Gymnastik haben wir schon gemacht. Auf dem Boden sitzen, Beine hoch, rechts und links, und so weiter. So Gymnastik, mit Zelten verbunden, haben wir oft gemacht.

Ah ja, also Turnübungen, wie man sie aus der Schule kennt?

Genau, genau.

Aber Nachrichten auswendig zu lernen, habt Ihr anscheinend nicht versucht?

Haha, nein. 

Habt Ihr auch mal eine zeitlang versucht, jeden Tag eine gute Tat zu tun?

Nee, so waren wir nicht, so bürokratisch.

Stimmt, ich denke auch dass gute Taten vielleicht besser aus dem Zusammenhang kommen sollten.

Jaja, klar. Die muss man nicht suchen, die guten Taten, die kommen auf einen zu, und dann macht man sie eben.

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